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ASP, Letzte Instanz, Faun - München, Tollwood Festival (03.07.2010)

Am Samstag, 03.07.2010, angekündigt als der bisher heißeste Tag des Jahres, führte mich mein Weg auf das Tollwood Festival in München, wo an diesem Tag FAUN, die LETZE INSTANZ und ASP gemeinsam auftraten.

Beim Tollwood Festival handelt es sich nicht um ein reines Wochenendmusikfestival, sondern um eine 25 Tage andauernde Großveranstaltung, auf dem Münchner Olympiagelände, die jährlich 1,5 Millionen Besucher im Jahr anzieht. Ein großer Markt bedeckt das dortige Areal und ist auch ohne Konzertbesuch sicherlich eine Reise wert. An den Ständen wird eine bunte Mischung aus Kunsthandwerk, Kleidung und kulinarischen Köstlichkeiten aller Kontinente feilgeboten, wobei die Veranstalter Wert darauf legen, dass die Angebote zu dem Thema „Ökologie, Umweltbewusstsein und soziales Engagement“ passen. So stammen sämtliche Lebensmittel aus biologischen Anbau und befolgen die Richtlinien des Fair Trade.

Die Sonne brennt vom Himmel und viele versuchen, vor ihr zu flüchten – auch die Schlange vor der Gehrlicher Musikarena konzentriert sich vor allem auf die Schattenbereiche. Bevor ich mich zu der Menge geselle streife ich erst einmal über das restliche Gelände, um die Stimmung auf mich wirken zu lassen, auch wenn diese vor allem von dem gerade laufenden Deutschland-WM-Spiel geprägt ist. Beinahe jeder Essensstand, der über Sitzgelegenheiten verfügt, hat auch einen Fernseher organisiert, so dass von allen Seiten die Spielkommentare auch einen eindringen. Genauso sieht es auch aus, als ich schließlich das weiträumige Zelt betrete, in dem das Konzert stattfinden wird.

Faun, TollwoodDie vordere Hälfte ist bereits mit Besuchern gefüllt, weiter hinten hängt eine Leinwand von der Decke, auf die man von der gut besetzten Tribüne am Ende des Saales einen besonders guten Blick hat. Doch nicht nur dort, auch unter denjenigen, die bereits vorne ihre Plätze sichern, finden sich Fußballfans: Kaum wird hinten gejubelt löst sich ein Pulk Menschen aus der schwarzen Masse und stürmt nach hinten, um das Tor zumindest in der Wiederholung zu sehen, bevor sie wieder nach vorn auf ihre Plätze eilen.

Ungefähr um sechs Uhr ist es endlich so weit und der Geräuschpegel von Fußballübertragung und Vuvuzelas wird durch die harmonischen Klänge von FAUN abgelöst.

Viel Zeit haben die Münchener Lokalmatadoren zwar nicht, doch sie wissen sie bestens zu nutzen, wobei ihr Programm nach der Eröffnung mit einem Stück von ihrem Akustikalbum „Buch der Balladen“ vor allem aus FAUN'schen Klassikern zusammensetzt. Die vernebelte Atmosphäre des Zeltes kommt der Band zwar weniger entgegen, als eine stilvolle Kirche oder eine Open Air Location im Grünen, trotzdem ist es ein Faunauftritt, wie man ihn kennt, wobei mir wieder einmal gerade das Trommelspiel von Rüdiger Maul positiv auffällt.

Das Publikum wiegt sich zu den sanften Tönen von „Andro“, dem etwas energischeren „Rosmarin“ und zum Abschluss „Wind und Geige“ - Eine stimmungsvolle mittelalterliche Einstimmung, bevor es dann mit den anderen beiden Bands deutlich lauter und härter wird.

Auf gerade einmal eine halbe Stunde Konzert folgt eine ebenso lange Umbaupause, die ich gemeinsam mit einem Kollegen nutze, der drückenden Hitze des Zeltes zu entkommen, auch wenn die angesichts der Außentemperaturen noch deutlich schlimmer hätte sein können. Als wird ins Zelt zurückkommen scheinen sich auch die Letzten von den Fußballübertragungen und Nachberichterstattungen losgerissen zu haben, die Menge des Publikums ist deutlich angewachsen und auch die Stimmung steigt merklich, als die LETZE INSTANZ die Bühne betritt.

LI, Tollwood

Die Band setzt vom ersten Ton an auf volle Power und stellt im Laufe des Abends einmal mehr ihre hervorragenden Qualitäten als Liveband unter Beweis. So gern ich die CDs auch mag: Direkt von der Bühne wird einfach nochmal deutlich mehr Energie übertragen.

Die Setlist wird mit „Mein Engel“ eröffnet, bevor die gemeinsame „Flucht ins Glück“ angetreten wird. Diesen beiden Tracks vom letzten Album „Schuldig“ folgt mit „Maskenball“ ein Ausflug in etwas ältere Gefilde und so, wie die Band dazu über die Bühne springt, fällt es selbst im Fotograben schwer, stillzuhalten.

Das leicht melancholische „Ohne dich“, das im Anschluss zum besten gegeben wird, ermöglicht einen kurzes Luftholen, bevor die Band einen Vorgeschmack auf den Herbst bietet indem sie ein Stück des neuen Albums „Heilig“, das Anfang Oktober veröffentlicht werden wird, präsentieren. Genauso neu wie dieses Stück ist für mich ist die Besetzung mit David Pätsch, der, seit Anfang Juni, Specki T.D. nach dessen Wechsel zu IN EXTREMO am Schlagzeug ersetzt. Mit dem ehemalige SUBWAY TO SALLY-Drummer hat sich die LETZTE INSTANZ einen großartigen Musiker ins Boot geholt, der den Auftritt auf dem Tollwood mit Bravour meistert.

LI, Tollwood

„Komm!“ schlägt stimmungstechnisch in dieselbe Kerbe wie zuvor „Maskenball“, den Rest des Abends bestreitet die Band mit liebgewonnenen Klassikern, allen voran das „Stimmlein“, bei dem das Publikum zu fleißigem Mitsingen aufgefordert wird. Noch mehr zu tun gibt es nach „Mein Todestag“ bei „Wir sind allein“, auch wenn es nur einem kleinen Teil der Zuschauer wirklich gelingt, die Hände über das ganze Lied hinweg erhoben zu halten.

Viel zu schnell nähert sich das Ende des Konzerts und für die Zugabe bleibt wenig Zeit, so dass sich die LETZTE INSTANZ mit einer Speedversion von „Rapunzel“ verabschiedet.

Auch in der nächsten Umbaupause flüchten wir an die frische Luft und machen es uns für eine halbe Stunde auf einem Eckchen Wiese im Schatten bequem.

Zurück vor der Bühne wird schnell klar, dass ASP völlig zu recht die Headliner der Veranstaltung sind: Zwar sitzen noch einige Leute auf der hinteren Tribüne, doch ansonsten ist der Raum zu ¾ gefüllt und das Publikum, das man kaum den ganzen Abend als hochmotiviert bezeichnen kann, wird so langsam bewegungsfreudiger.

ASP haben an diesem Tag den Schwerpunkt eher auf den elektronischen Teil ihres Repertoires gelegt und spielen sich von alten Stücken, wie dem brillanten „Sing Child“, bis hin zum erst kürzlich erschienenen „Wer sonst“ quer durch die Bandgeschichte. Natürlich bleibt bei so einem umfangreichen Songfundus kaum die Zeit, alle Highlights mit ins Programm aufzunehmen, doch gelingt es ASP immer wieder, eine stimmige und abwechslungsreiche Auswahl zusammenzustellen.

Freunde der ruhigeren Töne werden mit der Ballade „Und wir tanzten...“ bedient, rockiger wird es an anderer Stelle mit „Lykantropie“ und „Schwarzes Blut“, in dem immerhin ein Teil des Publikums das „Vorwärts! Abwärts!“ im Refrain aus voller Kehle mitschreit. Auch sonst gibt es reichlich Gelegenheit für die Fans, ihre Textsicherheit unter Beweis zu stellen – und selbst wer die Texte nicht kann kann beim markanten „Ey-oh“ mitsingen, das „Werben“, das Stück mit dem wohl höchsten Ohrwurmcharakter überhaupt, einleitet.

Auch für eingefleischte ASP-Hörer gibt es heute eine Premiere: Ganz neu im Programm ist „Rain“, ein Coverstück von The Cult, das auf der Doppel-Single „Wer sonst/Im Märchenland“ zu finden ist, und das auf dem Tollwood zum ersten Mal live aufgeführt wird.

ASP, Tollwood

Das Konzert schließt mit der zweiten Zugabe ganz nach dem Motto „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“ mit dem lang erwarteten Hit „Ich will brennen“, dessen erste Töne bereits einen Begeisterungssturm auslösen, auf dem stimmungsmäßigen Höhepunkt.

So endet ein ausgesprochen schöner Abend mit netten Menschen auf dem Tollwood Festival und auch wenn der Sound über alle drei Konzerte hinweg immer wieder Schwächen aufwies wurde das durch die Spielfreude und Bühnenaction der Bands allemal wieder wettgemacht. Die Stimmung war durchweg gut, wenn auch nicht sonderlich ausgelassen, was aber auch an den beinah tropischen Temperaturen gelegen haben mag.

Die Fahrt nach München hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt und ich kann jedem nur empfehlen, das Programm des Tollwood Festivals auch für nächstes Jahr im Auge zu behalten.

 

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
Kolyma

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09.07.2010

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