FESTIVAL MEDIAVAL III - Selb, Goldberg (10.-12.09.2010)

 

Festival Mediaval III

 

 


 

 

DAZKARIEH - TRISKILIAN - OMNIA - VALRAVN - FAUN

 

THE SANDSACKS - ATARAXIA - Verleihung GOLDENER ZWERG Rock - CORVUS CORAX - DES TEUFELS LOCKVÖGEL - NACHTGESCHREI - QNTAL - TANZWUT - HAGGARD - AL ANDALUZ PROJECT

 

DAS NIVEAU - OMDULÖ - GREX CONFUSUS - HOSOO & TRANSMONGOLIA - IRFAN - DEGREASE'S BUFFON THEATRE - Kleinkunst - Verleihung GOLDENER ZWERG Spielleute - BALLYCOTTON - SZANDÁNJA - POETA MAGICA - SCHELMISH

 

Fazit

 

 


 

 

„Der Goldberg ruft!“ hieß es am zweiten Septemberwochenende diesen Jahres für zahlreiche Mittelalterbegeisterte und Musikinteressierte, und so machte auch ich mich mit etwa 8000 Gleichgesinnten erneut auf ins oberfränkische Selb, um dort die Creme der europäischen Mittelaltermusikszene live auf der Bühne zu genießen. Seit etwas mehr als einer Woche ist diese dritte Ausgabe des Festival Mediaval nun aber schon wieder Geschichte, Grund genug, die drei Herbsttage auf dem Goldberg noch einmal Revue passieren zu lassen und all jenen, die nicht dabei sein konnten zu berichten, was sie verpasst haben. Denn verpasst haben sie in meinen Augen einmal mehr etwas ganz Besonderes – aber alles der Reihe nach:

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Festivalleitung (der Selber Oberbürgermeister war leider verhindert) war es an den Portugiesen von DAZKARIEH den Freitagnachmittag musikalisch zu eröffnen. Den Pechvögeln des letzten Festivals war, wie sie auch während des Konzerts mehrfach betonten, sehr daran gelegen, den unglücklichen Auftritt aus dem Vorjahr vergessen zu machen. (Durch eine Gepäckpanne auf dem Flug war die Gruppe im letzten Jahr ohne Instrumente angereist und musste sich das Equipment von anderen Bands zusammenleihen, was zusammen mit einem dadurch in die Länge gezogenen Soundcheck dazu geführt hatte, dass die Band lediglich vier Lieder spielen konnte, bevor sie durch den engen Festivalzeitplan wieder von der Bühne musste.) Frontfrau Joana Negrão und ihre drei Mannen schafften es dann auch, das leider noch nicht so wirklich zahlreich anwesende Publikum vor der Schlossbühne zu begeistern, ablesbar auch daran, dass man an den folgenden Tagen plötzlich eine Menge von Leuten mit DAZKARIEH-Shirts auf dem Gelände sichtete. Wirklich schön, dass es für die Portugiesen diese zweite Chance gab, sich dem Selber Publikum zu präsentieren, auch wenn ich es als großer Fan der Band ein wenig schade fand, dass eines meiner persönlichen Highlights schon vorbei war, bevor das Festival so richtig begonnen hatte.

DAZKARIEH

 

Weiter ging es dann auf der Burgbühne mit TRISKILIAN. Die Gruppe, die ich in diesem Jahr bereits auf dem TFF erleben konnte, wo sie komplett unplugged auf einem Straßenmusikpodium aufgetreten waren, konnte mich in der elektrisch verstärkten Variante sogar noch ein wenig mehr begeistern, als bei dem akustischen Auftritt in Rudolstadt. Dennoch verließ ich das Konzert vorzeitig, um die Gelegenheit zu nutzen eine Kleinigkeit zu essen, bevor es dann beim Abendprogramm Schlag auf Schlag gehen sollte

 

OMNIA

Den Anfang des großen „Pagan Folk – Specials“ machten die bereits zum Festivalinventar gehörenden Niederländer von OMNIA. Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren, wo die Band am Sonntag beziehungsweise Samstag die Headlinerposition bestritt, gab es Steve, Jenny & Co diesmal bereits am frühen Abend zu hören. Aber trotz der frühen Uhrzeit, und obwohl das Material vom neuen Album „Wolflove“ (siehe unsere MD-Rezension) unter den Fans zum Teil durchaus kontrovers diskutiert wurde, räumten OMNIA auch in diesem Jahr wieder kräftig ab: Die Fans feierten nicht nur Klassiker wie „Tine Bealtaine“, „Witches Brew“ oder „Entrezomp ni kelted“, sondern quittierten auch die neuen, klavierlastigen Songs wie „Toys in the Attic“ oder „Wolfsong“ mit frenetischem Applaus, ja sie schienen es der Band sogar zu verzeihen, dass das wie immer lautstark geforderte „Morrigan“ dieses Mal fehlte. Nicht fehlen durfte aber natürlich auch in diesem Jahr der Magier der Glaskugeln KELVIN KALVUS. Doch auch damit nicht genug, wie bereits im Vorfeld angekündigt, kam man in den Genuss weiterer Gastauftritte: So gaben sich sowohl Chef-FAUN Oli SaTyr als auch bei “Auta Luonto” Maria und Martin von VALRAVN die Ehre, bei „Niiv“ sorgten die Damen von LAS FUEGAS für eine feurige Showuntermalung und bei„Love in the Forest“ bildeten die Mercherinnen Vera, Maral & Chloe als „Love Singers“ den Background-Chor.

Doch leider verließ ich auch dieses Konzert vorzeitig, da ich den Anfang von VALRAVN auf der unteren Bühne nicht verpassen wollte. Die Dänen hatten ja schon bei ihrem Auftritt im letzten Jahr das Festival gerockt und auch in diesem Jahr waren sie für michVALRAVN der gefühlte Headliner am Freitag. Dass ich mit dieser Meinung wohl nicht alleine war, davon zeugte sowohl die Menge der Leute als auch die geniale Stimmung vor der Burgbühne. Und natürlich gab es auch bei VALRAVN wieder Gäste auf der Bühne: Neben der schon gewohnten (aber deshalb nicht minder tollen) Gastsängerin Maria Franz, ließ sich der an diesem Wochenende fast schon omnipräsente KELVIN KALVUS einen Auftritt nicht nehmen, diesmal verstärkt von der zauberhaften Beatrice „BEATRITSCHE“ Baumann. Und auch hier gab es wieder Feuerzauber, unter anderem in Form eines überdimensionalen schwarzen Raben, der mit seiner wild geschwungenen, brennenden Sense Sängerin Anna Katrin sichtlich Respekt einzuflößen schien. Höhepunkt für mich war dann aber der Gastauftritt von Jenny, Steve und Luka von Omnia, sowie Faun-Trommler Rüdiger bei „Krummi“ - einer der absoluten Gänsehautmomente des Wochenendes!

Die Reihe der wechselseitigen Gastauftritte setzte sich dann bei der letzten Band des Abends, FAUN, natürlich fort, da konnte man etwa Joe von OMNIA bei „Rosmarin“, sowie Steve, Jenny und Luka bei „Wind und Geige“ mit auf der Bühne erleben, und das Rahmentrommel-Duett von Rüdiger mit Juan von VALRAVN bescherte mir einen weiteren Gänsehautmoment. Ebenfalls Gänsehaut verursachte bei mir teilweise auch die Stimme der neuen Sängerin Rairda, die ich in Selb zum ersten Mal live erleben durfte. Die Dame mit der wilden Mähne, die seit Juni diesen Jahres für die überraschend wegen Schwangerschaft ausgeschiedene Sandra Elflein an Bord ist, fügte sich in meinen Augen hervorragend in die Band ein und ließ damit meine Enttäuschung ob des Ausstiegs von Sandra doch weit weniger schmerzhaft ausfallen, als ich befürchtet hatte. Insgesamt flachte die Stimmung im Vergleich zum vorherigen Auftritt von VALRAVN allerdings leider ein bißchen ab, aber nichtsdestotrotz waren die FAUNE einmal mehr ein würdiger Headliner und mit der letzten Zugabe, dem „Tagelied“, ging ein wundervoller, mit (fast schon zu) vielen Eindrücken vollgepackter erster Festivaltag zu Ende

FAUN

 

Am Samstag betrat ich das Gelände zu den letzten Klängen von ESHA NESS, die im letzten Jahr den Goldenen Rock-Zwerg abgeräumt hatten. Klang aus der Ferne auch gar nicht so schlecht. So richtig los ging es für mich dann aber mit den Berlinern THE SANDSACKS auf der Schlossbühne, die denjenigen, die den Schlafsäcken bereits entstiegen waren die Müdigkeit mit hochgradig tanzbaren Irish Folk - Tunes aus den Knochen schüttelten. Ich frage mich zwar, warum ich die Band vorher noch nie live gesehen hatte, aber manchmal muss man als Berliner scheinbar eben nach Selb fahren, um gute Musik aus der Hauptstadt zu sehen. Haben wirklich Spaß gemacht die Jungs!

Auf die folgende Band, BRANDAN, hatte ich mich eigentlich richtig gefreut, doch war es mir nicht vergönnt mehr als drei Lieder des Auftritts zu sehen, da er sich zeitlich leider mit einem Interviewtermin überschnitt. Das bißchen, was ich von der Ausnahmeformation aus Mitteldeutschland genießen konnte war wie erwartet hochklassig, und die Band schien in bester Spiellaune zu sein. Leider aber war um die Mittagszeit nicht all zu viel Publikum vor der Burgbühne anwesend. - Schade, das hätte ich wirklich gerne länger gesehen und die Band hätte definitiv mehr Publikum verdient gehabt!

Aber wie das so ist, man kann nicht alles haben im Leben, und dafür gibts hier ein ausführliches Interview mit Steve und Jenny von OMNIA.

Den anschließenden Auftritt der Spaßvögel von PAMPATUT, denen man als Duo auch das ganze Wochenende auf dem Markt begegnen konnte, habe ich dann auch nur noch aus der Ferne mitbekommen.

ATARAXIA

Die nächste Band, der ich wieder mehr Aufmerksamkeit schenkte, waren ATARAXIA aus Italien. Die Musiker um die charismatische Sängerin Francesca Nicoli, deren markante Stimme man entweder liebt oder hasst, sind eigentlich eher selten auf Festivals zu finden, sondern treten meist lieber an besonderen, oft historischen Orten wie Kirchen oder Burghöfen auf. Die mystischen Klangteppiche, die die Band bei ihren Konzerten webt, kommen an solchen Plätzen natürlich um einiges besser zur Geltung als auf einer normalen Bühne, noch dazu im Hellen. Dennoch konnten mich ATARAXIA mit ihrer intensiven Performance zumindest für eine Zeit lang an der Burgbühne festhalten, bevor ich schon wieder nach oben eilen musste, um die Verleihung des ersten goldenen Zwergs dieses Wochenendes nicht zu verpassen.

Beworben für den ACORVUS CORAXward in der Sparte „Mittelalter-Rock“ hatten sich die beiden Gruppen ATTONITUS aus Deutschland und ATAXATA aus Österreich, deren Auftritte am frühen Morgen ich leider nicht mitbekommen hatte. Die Entscheidung über die Vergabe setzte sich wie schon in den letzten Jahren aus dem Voting des Publikums und einer Juryentscheidung zusammen. Überreicht bekamen den überdimensionierten, goldbesprühten Gartenzwerg mit dem Stinkefinger schließlich die Flensburger von ATTONITUS, denen man natürlich die Freude über den Gewinn deutlich anmerkte.

Für aufmerksame MD-Leser sollte es ja nun kein Geheimnis mehr sein, dass ich kein all zu großer Fan der typischen, nur aus Sackpfeifen und Trommeln bestehenden Marktmusik bin, sondern eher die folkigen Seiten des Mittelalters bevorzuge. Dennoch muss ich mich vor CORVUS CORAX, die im Anschluss an die Preisverleihung die Schlossbühne betraten, respektvoll verneigen: Zum einen handelt es sich bei der Band nicht um den x-ten Abklatsch dieser Stilrichtung, sondern immerhin um die Vorreiter des Ganzen, die diese Art Musik erst populär gemacht haben, zum anderen bewiesen die selbsternannten „Könige der Spielleute“ auch bei diesem Auftritt, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und auf der Bühne noch gehörig Feuer haben. So zählte das Konzert der Berliner, sowohl was die Zahl der Zuschauer als auch die Stimmung im Publikum angeht, zu den definitiven Höhepunkten des Festivals. Die Kolkraben peitschten die tanzwütige Menge immer wieder zu Höchstleistungen und ließen den Goldberg gehörig wackeln – Chapeau!

Über den folgenden Auftritt der GALGENVÖGEL kann ich leider nichts berichten, auch ein Journalist hat schließlich Hunger und braucht mal eine Pause.

Nun ist es ja in der Folk- und Mittelalterszene so, dass sich gewisse “Traditionals” immer einmal wieder mehr oder weniger großer Popularität erfreuen, also quasi in oder aus der Mode geraten. So wurde zum Beispiel das vor ein paar Jahren fast schon inflationär zu nennende „Herr Mannelig“ aus Schweden in diesem Jahr auf dem Mediaval lediglich von zwei Bands zu Gehör gebracht, während man gefühlte 10 Versionen von „Totus Floreo“ zu hören bekam. Die zumindest optisch interessanteste Variante des Stücks boten in jedem Fall DES TEUFELS LOCKVÖGEL, für die das Konzert gleichzeitig die Release-Party zum neuen Album „Vanitas“ war. Doch das Trio um Szene-Urgestein Marcus van Langen wusste nicht nur durch Busenblitzer und simulierte Masturbation aufzufallen, sondern auch durch eine Gute-Laune-Show und die elektrisierende Bühnenpräsenz von Sängerin Juliane la Fey zu überzeugen. Dass der Dame bei all dem wilden Gespringe und Getanze auf der Bühne manchmal etwas wenig Luft für die Flötenparts blieb, konnte man in meinen Augen da getrost nachsehen - Stimmung hat der Auftritt allemal gemacht.

Nach der wilden Ausgelassenheit des LOCKVÖGEL-Auftritts wurde es dann für einen Moment sehr besinnlich, als Festivalleiter Karl-Heinz Schwarz zusammen mit Marcus van Langen dem im Frühjahr überraschend verstorbenen Gründer der Musiklegende OUGENWEIDE Frank Wulff gedachte. In den letzten beiden Jahren war die Band, die zu den absoluten Vorreitern des Genres in Deutschland zählt, eines der großen Highlights des Festivals, und man konnte es Bläcky’s belegter Stimme deutlich anmerken, wie nahe im die Sache ging. Mit Wulff hat nicht nur die MiNACHTGESCHREIttelalterszene einen ihrer ganz Großen verloren, und so verneige auch ich mich hier noch einmal posthum vor der Lebensleistung dieses Ausnahmemusikers. Bye bye Frank, rest in peace, wir werden Dich vermissen!

Nach diesen eher traurig-besinnlichen Momenten war das, was man danach an der Burgbühne auf die Ohren bekam, ein recht krasser Kontrast: NACHTGESCHREI präsentierten eine Mischung aus mittelalterlichen Instrumenten wie Dudelsack und Drehleier mit harten Metalriffs und treibenden Drums, die mich trotz anfänglicher Skepsis Stück für Stück in ihren Bann zog. Besonders positiv überrascht war ich von der Qualität des Sängers, den mir ein anwesender Journalistenkollege vorher als eine „stimmliche Mischung aus Kermit dem Frosch und Herbert Grönemeyer“ beschrieben hatte. Zwar hat der Herr gesanglich durchaus noch Luft nach oben, aber so schlimm, wie ich nach dieser Beschreibung gefürchtet hatte, war es dann beileibe nicht. Musikalisch irgendwo zwischen SCHANDMAUL, SUBWAY TO SALLY und INGRIMM sind NACHTGESCHREI zwar musikalisch nicht unbedingt innovativ, dennoch waren die Hessen für mich eine der Neuentdeckungen des Festivals - die Jungs kann man sich durchaus mal wieder antun.

Definitiv immer wiedQNTALer gerne höre ich hingegen die Musik von QNTAL, und auch an diesem Abend wusste mich die Band zu verzaubern: Ob die wunderschönen Stimmen von Sigrid Hausen und Sarah „Mariko“ Newman, die musikalische Virtuosität von „Dr.“ Popp oder die experimental-elektronischen Klanggewitter von Fil Groth – QNTAL stehen nach wie vor für Hörgenuss auf höchstem Niveau! Für die Band war der Auftritt auf dem Mediaval gleichzeitig der Saisonabschluss, und so hatten es sich auch die Münchner nicht nehmen lassen, aus diesem Anlass einige Gäste einzuladen. Neben dem auch beim später noch folgenden AL ANDALUZ PROJECT beteiligten Ernst Schwindl an der Nyckelharpa war es vor allem „Epi“, der Mongole mit der niedlichen Pelzkappe und dem noch niedlicheren bayrischen Akzent, der mit seinem Obertongesang das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Und - Überraschung - auch Herr KALVUS und seine Murmeln tauchten wieder einmal auf der Bühne auf, und bei „Flamma“ gab es dann, wie der Name schon vermuten lässt, auch bei QNTAL noch eine Feuershow. Diesmal allerdings nicht auf, sondern vor der Bühne, was ein bißchen schade war, weil man als weiter hinten Stehender davon so gut wie nichts gesehen hat.

Da ich QNTAL bis zum Ende genossen hatte, kam ich zum nächsten Konzert beinahe nicht mehr durch, denn der Auftritt von TANZWUT war bereits in vollem Gange, und die Massen drängten sich vor der Burgbühne. So voll war es dort an diesem Wochenende annähernd nur noch bei VALRAVN am Vortag. Teufel & Co enttäuschten die feierwütige Menge dann auch keineswegs und rockten sich quer durch ihre zahlreichen Hits, von „Lügner“ über „Was will der Teufel im Paradies“ bis hin zum genialen ÄRZTE-Cover „Bitte, bitte“. Wenn man nach der Stimmung im Publikum geht, war das Konzert in jedem Fall einer der absoluten Höhepunkte des Festivals.

Kommen wir zum Headliner des Abends und damit für mich zum Unwort des Wochenendes: „Monitor“. Ich bin ja von HAGGARD so einiges gewohnt, was Soundcheck-Zeiten angeht, und bei der Menge an Musikern ist das ja auch durchaus verständlich - aber an diesem Abend fand ich es dann doch ein wenig übertrieben. Keine Ahnung, was zwischen Veranstalter und Band diesbezüglich schief gelaufen ist, aber die genervten Kommentare zwischen Mischerturm und Bühne ließen nicht gerade auf eine entspannte Atmosphäre schließen. Aber egal, wie die Absprachen waren, die aufreizende Gelassenheit mit der Herr Naseri den Soundcheck gewissermaßen beinahe als Ego-Show zelebrierte („Sopran brauch ich nicht, ist laut genug.“ - 10 Minuten später: „Bitte den Sopran lauter auf dem Monitor“) suchte schon wirklich ihresgleichen. Nicht wenige der Mitmusiker begannen denn auch nach einer gewissen Zeit mit den Augen zu rollen und ähnlich entschuldigende Gesten Richtung Publikum zu schicken. Und spätestens bei Asis musikästhetischen Forderungen („ich will, dass die Celli auf dem Monitor klingen wie ein Schwarm wilder Hornissen“) fragte man sich dann doch, was das Ganze sollte. Nachdem die Band mit mehr als einer Stunde Verspätung schließlich loslegte, war zumindest bei mir die Vorfreude schon einer gewissen Apathie gewichen, und man denke jetzt auch nicht, dass der Soundcheck mit dem Beginn des Konzerts zu Ende gewesen wäre... die bissigen Anweisungen und Erwiderungen zwischen Mischpult und Bühne zogen sich beinahe durch den ganzen Auftritt, und schmälerten zumindest für mich den Musikgenuss doch erheblich. Ich möchte hier keine einseitigen Schuldzuweisungen vornehmen, scheinbar hat sich das Ganze irgendwie gegenseitig hochgeschaukelt, aber schade, denn ansonsten war der Auftritt der Bayern einmal mehr grandios.

HAGGARD

Unschön war das Ganze auch für die letzte Band des Abends, das AL ANDALUZ PROJECT, das durch die Überziehung von HAGGARD noch später beginnen musste als sowieso schon vorgesehen. Zudem hatte die deutsch-spanisch-marokkanische Formation, bei der unter anderem Mitglieder von ESTAMPIE/QNTAL und L’HAM DE FOC beteiligt sind, dann auch noch mit eigenen Soundproblemen in Form einer scheinbar nicht lokalisierbaren Rückkopplung zu kämpfen. Die fortgeschrittene Uhrzeit und die vom Wasser her hereinkriechende klamme Kälte taten ein Übriges, und so war denn auch nicht mehr halb so viel Publikum anwesend, wie die musikalische Qualität der Akteure eigentlich verdient gehabt hätte. Wirklich schade, ich hätte mir die Gruppe in einer besseren Position im Billing gewünscht, aber das lag wohl einfach daran, dass sie erst recht spät noch ins Programm aufgenommen wurde. Vielleicht im nächsten Jahr nochmal zu früherer Stunde?

 

Am Sonntag schaffte ich es dann zumindest einen Teil der Bewerbungskonzerte für den zweiten goldenen Zwerg, diesmal in der traditionelleren Sparte „Spielleute“, mitzubekommen. Leider durch die Lappen ging mir der Auftritt von MALUS LUDUS, doch zumindest vom nächsten Act konnte ich mir dann noch einen Eindruck verschaffen.

DAS NIVEAU aus Berlin ist eigentlich ein Duo, bestehend aus Sören Vogelsang (aka „der Barde Ranarion“, seines Zeichens Frontmann bei ADIVARIUS) und Martin Spieß. Da letzterer leider zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus weilte (an dieser Stelle nochmals die besten Wünsche!), bestritt Sören den Auftritt im Alleingang, und schaffte es durch seine humorvolle Darbietung das Publikum vor der Theaterbühne restlos zu begeistern. Die witzigen Ansagen und Songs wie „Lieder übers Vögeln“ oder „Beim Pissen gemeuchelt“ verursachten nachhaltige Lachsalven bei den Zuschauern.

Ganz anders danach der Auftritt von OMDULÖOMDULÖ. Die junge Altenburger Band, die mit ihrer Debut-EP „Waldgeboren“ im letzten Jahr für Aufsehen sorgte (siehe dazu unsere MD-Rezension und ein Interview mit der Band), entführte die Zuhörer mit wunderschönen Melodien und poetischen Texten in eine andere Welt. Dabei waren auch viele Stücke vom neuen Album „Menschenmaler“, das eigentlich schon anlässlich des Auftritts beim Mediaval hätte veröffentlicht werden sollen. Technische Probleme hatten dies leider verhindert, jedoch wird es laut Band nur noch wenige Wochen dauern, bis das Scheibchen fertig ist. Nachdem ich das neue Material zum Teil nun schon live auf der Bühne hören konnte, muss ich sagen, man kann wirklich gespannt sein. Viel zu schnell war der Auftritt, der für alle Bands im Rahmen des Awards nur mit einer halben Stunde veranschlagt war, dann leider auch schon wieder vorbei, lediglich eine kleine Zugabe ließ der enge Festivalzeitplan zu. Schade, das war eindeutig zu kurz!

Schade auch, dass sich der Auftritt von OMDULÖ zeitlich mit dem von PURPUR auf der Burgbühne komplett überschnitten hat, ich hätte das Konzert der beiden letztjährigen Preisträgerinnen wirklich sehr gern gesehen, doch alles kann man beim Mediaval eben nicht mitnehmen, dafür ist das Programm einfach zu voll.

Weiter ging es für mich mit GREX CONFUSUS auf der Hauptbühne. Die Musiker aus dem benachbarten Hohenberg/ Eger hatten in Selb ja sozusagen Lokalmatadorenstatus, und so hatte sich trotz der frühen Mittagszeit auch schon ein beträchtlicher Haufen an tanzwütigen Volk eingefunden. Nach den schönen, poetischen Klängen von OMDULÖ war mir persönlich die Band dann aber irgendwie zu schräg, und als die Dudelsäcke schließlich „Viva Colonia“ anstimmten, suchte ich dann recht schnell das Weite.

Nicht all zu lange fesseln konnten mich dann leider auch HOSOO & TRANSMONGOLIA auf der Burgbühne. Die Musik von HOSOO, dem Meister des mongolischen Kehlkopfgesangs Höömii, bei dem bis zu dreistimmige Harmonien von nur einer Person intoniert werden können, und seinen Begleitmusikern war mir in diesem Moment einfach ein wenig zu monoton, das richtige Steppenfeeling wollte bei mir nicht aufkommen. Lag aber wohl an weniger an der musikalischen Qualität der Akteure als an meiner persönlichen Stimmung in diesem Moment, denn das Album der Band, das ich inzwischen dank einer guten Freundin durchhören konnte, gefällt mir tatsächlich ausnehmend gut.

IRFAN

Sehr gut gefallen haben mir dann aber die im Anschluss spielenden IRFAN. Die Bulgaren präsentierten Weltfolk im wahrsten Sinne des Wortes, denn neben den Traditionen ihrer Heimat fließen Elemente aus den Klangwelten des Kaukasus, Persiens, Nordafrikas oder des Balkans, ebenso wie aus dem mitteleuropäischen und byzantinischen Hochmittelalter in die Musik der Gruppe ein. Diese vielfältigen Traditionen verschmelzen bei IRFAN zusammen mit elektronischen Klängen zu einem mystischen Klangteppich, über dem die beiden ausdrucksvollen Stimmen von Denitza Seraphimova und Kalin Yordanov gleichsam zu schweben scheinen. Da wurden bei mir mehr als einmal Assoziationen zu DEAD CAN DANCE geweckt, und die Band braucht den Vergleich mit den Altmeistern der Zunft auch in keinster Weise zu scheuen.

Doch so schön die Musik von IRFAN auch war, die aus den Augenwinkeln gesichteten Stelzenläuferinnen von DE GREASE’S BUFFON THEATRE veranlassten mich dann dazu, die Schlossbühne doch vorzeitig zu verlassen, um wenigstens noch einen der Auftritte der sympathischen Artisten- und Gauklertruppe aus Weißrussland mitzubekommen. Den gleichen Gedanken schienen auch mehrere Kollegen zu haben, und so zog die fahnenschwingende Gruppe nicht nur begleitet von Dudelsack- und Trommelklängen, sondern auch von einem nebenherjoggenden Fotografentross über das Gelände Richtung Gastromarkt, wo sie auf einem der Holzpodien eine pantomimisches, mit artistischen Darbietungen durchsetztes, Theaterstück aufführten, das die Revolte einer Gauklertruppe gegen ihren peitschenschwingenden Zuchtmeister zum Inhalt hatte. Die gute Laune, die die Weißrussen bei Ihrer Darbietung verbreiteten, wirkte wirklich ansteckend, und so ernteten DE GREASE’S BUFFON THEATRE wie schon im Vorjahr auch diesmal herzlichen Applaus von den umstehenden Marktbesuchern.

DEGREASE'S BUFFON THEATRE

An dieser Stelle muss ich, zumindest kurz, auch einmal eine Lanze für das Kleinkunstprogramm des Festivals brechen, das natürlich bei all den großen Namen auf den Hauptbühnen in der Berichterstattung meist ein wenig zu kurz kommt. Schon die schiere Menge der anwesenden Gaukler, Artisten, Zauberer, Geschichtenerzähler, Barden und Marktmusiker ist mit keinem anderen Festival dieser Art vergleichbar. Und auch wenn man diese Künstler meist nur im Vorbeigehen, auf dem Weg von einer Bühne zur anderen, oder in Essenspausen wahrnimmt, tragen sie mit ihren Darbietungen in hohem Maße zur Gesamtatmosphäre der Veranstaltung bei. Es lohnt sich da wirklich, vielleicht die ein oder andere Band einmal auszulassen und sich am Treiben des bunten Volkes zu erfreuen. So konnte ich in den wenigen ruhigeren Momenten des Wochenendes neben DE GREASE’S BUFFON THEATRE unter anderem Teile der Auftritte von HEITER BIS FOLKIG, PAMPATUT, BEATRITSCHE und JOLANDOLO VOM BIRKENSCHWAMM genießen, die alle auf ihre Art wirklich sehenswert waren.

Den Auftritt von EUPHORICA auf der Burgbühne habe ich mir dann geschenkt, viel davon hätte ich sowieso nicht mehr gesehen, denn zeitgleich stand die Verleihung des zweiten goldenen Zwergs auf dem Plan. Nach der Stimmung am Morgen zu urteilen hätte ich auf DAS NIVEAU wetten mögen, doch der Name, den die beiden alten Zwerge dem Herold ins Ohr flüsterten, und den dieser im Anschluss dann laut verkündete, lautete OMDULÖ. Die konnten es den Gesichtern nach zu urteilen im ersten Moment wohl selbst nicht ganz glauben, aber dennoch war ihnen die Freude über den goldigen Kerl mit dem nackten Hintern deutlich anzumerken. Natürlich hätte ich, schon aus Berliner Lokalpatriotismus, vor allem auch Sören den Sieg gegönnt, aber so kann ich mich nun auf ein doppelt so langes Konzert der OMDULÖs im nächsten Jahr freuen. Und wenn man den Worten des Herolds Glauben schenken darf, so haben ja sogar alle drei Bands im nächsten Jahr die Chance auf einen regulären Auftritt auf einer der großen Bühnen.

“Nanu? Spielt jetzt ZZ-Top?” hörte ich einen Kommentar aus der ersten Reihe, als die nächste Band die Bühne betrat. Angesichts des Percussionisten, einem graubärtigen Alm-Öhi, konnte man über diese Frage tatsächlich schmunzeln. Doch erwartete das Publikum weder Gitarrenrock, noch kommt die Gruppe aus der Schweiz, sondern aus Österreich: BALLYCOTTON boten eine ureigene Mischung, die von keltischen und alpinen Einflüssen bis hin zu Elementen der Zigeunermusik eine unglaubliche Vielfalt zu einem GanzeBALLYCOTTONn verschmilzt, das die Band selbst als „Märchenfolk“ bezeichnet. Und märchenhaftes wurde wahrhaft geboten: Während die beiden Gitarristen Alex König und Robert Polsterer teilweise völlig konzentriert und versunken in ihrer Musik schienen, tanzte und wirbelte Christina Gaismeier gleich einer Fee über die Bühne und verzauberte das Publikum mit ihrem virtuosen Geigenspiel, es war eine wahre Wonne, ihr dabei zuzusehen. Zusammen mit dem erdigen Akkordeonsound von Frontmann und Sänger Peter Beinhofer, der wunderbar mit dem in einigen Stücken eingesetzten Obertongesang harmonierte, und der treibenden Percussion von „Alm-Öhi“ Harald Binder ergab das Ganze einen wirklich runden Eindruck, und die Band war auch mit sichtlich viel Freude bei der Sache. Egal ob sie eher verträumt-getragen daher kam oder auch bei den schnelleren, tanzbaren Stücken, die Musik von BALLYCOTTON glich einem wahren Ohrenschmaus - für mich definitiv die schönste Neuentdeckung des Festivals!

Und wenn wir schon bei Neuentdeckungen und Ohrenschmäusen sind, so kann ich die nächste Band gleich nahtlos anfügen: Das multinationale Projekt SZANDÁNJA (H-D-CZ-CH) bestritt in diesem Jahr musikalisch sozusagen den Balkan-Anteil. Doch ähnlich wie bei den Polen DIKANDA, die in den letzten beiden Jahren die Besucher des Mediaval verzückten, beschränkt sich das musikalische Repertoire von SZANDÁNJA mitnichten auf einen Kulturkreis. So gab es dann auch einen zwar balkanlastigen, doch musikalisch trotzdem recht vielfältigen Stilmix und exotische Instrumente wie das chinesische Hang oder die selbst konstruierte Future-Davul zu hören. Die Band um die beiden TIPPELKLIMPER Michel Bach und Martin Kleemann überzeugte mit handwerklichem Können und viel guter Laune, jedoch waren die Stücke allesamt nicht ganz so vorwärtstreibend und zum tanzen animierend wie bei den Polen im letzten Jahr, so daß es viele Besucher vorzogen, sich, ähnlich wie bei BALLYCOTTON vorher, im Umkreis der Bühne gemütlich auf dem Rasen niederzulassen und das Konzert in aller Ruhe zu genießen.

POETA MAGICA

In aller Ruhe aus der Ferne verfolgt habe ich dann auch den Auftritt von FURUNKULUS. „Des Teufels Trummler“ und seine Mannen mögen es mir verzeihen, aber nach den beiden vorangegangenen Bands war mir nicht wirklich nach Sackgequäke und Donnergetrommel. Liebhaber dieser Stilrichtung hatten sich jedoch genug vor der Schlossbühne eingefunden, und soweit man es vom Bierstand aus beurteilen konnte, hatten diese auch gehörigen Spaß.

Noch einmal ein richtiges Highlight war dann für mich allerdings der Auftritt von POETA MAGICA. Ich hatte die Gruppe seit 1995, wo sie mich beim TFF in Rudolstadt bei Gluthitze auf einem Straßenmusikpodium begeisterten, nicht mehr live gesehen und war deshalb wirklich gespannt, was mich erwarten würde. Ich wurde nicht enttäuscht, denn was Holger und Friederike Funke zusammen mit ihren Mitmusikern dann ablieferten war wirklich vom Feinsten. Die Band hat ja schon seit ihren Gründungstagen ein Faible für nordische Klänge, was auch bei diesem Auftritt schon durch die immense Batterie an Nyckelharpas im Bühnenhintergrund wieder deutlich ersichtlich war. So war die Schlüsselfiedel, teilweise im Trio gespielt, dann auch das dominierende Instrument des Abends. Doch POETA MAGICA beziehen ihre Inspirationen nicht nur aus dem hohen Norden, sondern aus allen Teilen des Kontinents und darüber hinaus. So bekam man auch bretonische oder orientalisch angehauchte Stücke zu hören. Bei ersteren belehrte Herr Funke das anwesende Publikum etwa darüber, dass Dudelsäcke nicht immer in Mittelaltermarkt-A-Moll gestimmt sein müssen, in der Bretagne kann das eben auch mal in G sein. (Dudelsack KANN nämlich wirklich schön klingen - Danke!!!) Überhaupt wurde der Auftritt immer wieder von witzigen Ansagen und Anekdoten aufgelockert, was neben der wunderbaren musikalischen Darbietung ebenfalls zur guten Stimmung vor der Bühne beitrug. Nach diesem Konzert werde ich jedenfalls nicht wieder 15 Jahre warten, bis ich mir die Band das nächste Mal live ansehe.

Den Abschluss des Wochenendes übernahm die Bonner Gruppe SCHELMISH, nach eigenen Angaben die dickste und hässlichste Mittelalterband der Welt und seit Jahren Garant für gute Stimmung sowohl auf Märkten wie auch großen Rockbühnen. Ich bin jetzt selbst zwar nicht wirklich ein großer Fan der Band, aber als „Rausschmeißer“, Verzeihung, natürlich „Sonntagsheadliner“, waren sie goldrichtig. Mit Stücken wie „Pank!“, „Freigang“, „Der letzte Kuss“ oder „Sommer“ heizten sie dem verbliebenen Mediaval-Publikum (leider waren wie in den Vorjahren viele, die noch eine weitere Heimfahrt hatten schon abgereist) noch einmal kräftig ein. Die Fans feierten die Bonner kräftig ab, ließen sich aber auch nicht lange bitten, als sich Basser „Der Zahl“ wegen eines verpassten Einsatzes auf einen „Schandfleck“ vorne am Bühnenrand stellen musste, den armen Sünder kräftig auszubuhen. Mein Highlight allerdings war eindeutig „For the Clansmen“, spielte die Band dabei doch endlich auf vernünftigen (schottischen) Dudelsäcken - Dudelsack kann soooo schön sein, 2. Teil. Und, ich musste wirklich schmunzeln, gegen Ende bekam man dann auch das gute alte „Herr Mannelig“ noch einmal zu Gehör. Als sich die Band schließlich von der Bühne verabschiedete, traten wir also auch diesbezüglich zufriedengestellt und glücklich den Heimweg an.

SCHELMISH

 

Glücklich waren wir, gar keine Frage, doch natürlich auch traurig darüber, daß die drei Tage wieder einmal so schnell vergangen waren. Denn wenn es an dem Festival diesmal irgendetwas zu kritisieren gab, dann die Tatsache, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, den vielen lieben Menschen, die man vor und hinter der Bühne trifft oder vielmehr wiedertrifft, genügend Zeit zu widmen. Denn auch diesmal zeigte sich ganz deutlich: Wer einmal da war, kommt wieder, sei es als Künstler, Helfer oder Besucher. Inzwischen verfügt das Festival sogar über einen eigenen „inoffiziellen“ Fanclub: Das „Ogerbärenkönigreich“.

Natürlich soll es das mit der Kritik noch nicht gewesen sein. – Oder etwa doch? Irgendetwas gibt es natürlich immer zu meckern, aber tatsächlich sehe in diesem Jahr nichts wirklich kritisierbares, das nicht in irgendeiner Form auf dem Level „höhere Pedanterie“ anzusiedeln wäre – Jammern auf hohem Niveau nur um des Jammerns willen ist in meinen Augen einfach ein sinnloses Unterfangen.

Doch Kritik kann natürlich auch positiv sein, und zu loben gab es diesmal wieder eine ganze Menge. Zuallererst natürlich die Tatsache, dass die Veranstalter es in diesem Jahr geschafft haben, viele der im letzten Jahr von einigen Seiten angesprochenen Mängel zu beseitigen. So gab es diesmal keinerlei Chaos an den Kassen und auch die Gastro-Stände wurden von ihrem Randdasein erlöst, und stattdessen zum zentralen Teil des Markts. Und à propos Markt, eine wirklich sehr schöne Neuerung in diesem Jahr waren die Holzpodien, die den auf dem Markt auftretenden Künstlern ein wenig mehr Aufmerksamkeit verschafften, und die mich irgendwie an die Straßenmusikpodien beim Rudolstädter TFF erinnerten.

Das größte Kompliment in diesem Jahr aber muss ich eindeutig an das Moderatoren-Quartett vergeben! Nach den oft zotigen und gewollt witzigen Sprüchen der Herolde in den letzten beiden Jahren, waren die Ansagen von Judith und Christine (aka Leonora und Gabria) von PURPUR, unterstützt von Romulus (HEITER BIS FOLKIG) und „Teufelstrummler“ Laurin (FURUNKULUS), dieses Mal eine wirkliche Wohltat. Natürlich, informativ und ungekünstelt (letzteres natürlich abgesehen von Laurins Grabesstimme), im Gegensatz zu den Vorjahren eine wirkliche Steigerung um 100%! Schön zu hören, dass zumindest die beiden Damen auch beim nächsten Mal in dieser Rolle wieder mit dabei sein werden.

Aber natürlich waren es nicht nur die abgestellten Mängel, sondern auch und vor allem die sozusagen „schon gewohnten“ Positiva, die das Festival einmal mehr zu einem wundervollen Erlebnis machten, man kann sie nicht oft genug aufzählen: Die intelligente und vielfältige Auswahl der Künstler - Bekanntes und Unbekanntes - und bestimmt für jeden Geschmack etwas dabei, die überdurchschnittliche Sauberkeit der sanitären Anlagen, der tolle Markt, die nette Security, das geniale Ambiente des Selber Goldbergs und natürlich die so ganz besondere, über allem schwebende Musik- (und Met-) selige Stimmung, die sich für mich nach wie vor mit kaum einem anderen Festival vergleichen lässt.

Leider heißt es nun wieder ein Jahr zu warten, bis sich die magischen Pforten auf dem Goldberg vom 9.-11. September 2011 erneut auftun werden, um die Besucher des Festival Mediaval für drei Tage in eine andere Welt zu entführen. Doch kann man sich unter anderem jetzt schon freuen auf Neues, wie das DUIVELSPACK, ADIVARIUS, ALLY THE FIDDLE oder die deutsche Folk-Legende HORCH, auf ein Wiedersehen mit VEDAN KOLOD, DAEMONIA NYMPHE oder JOHN KELLY und MAITE ITOIZ aus dem letzten Jahr, und natürlich - wie sollte es anders sein? - auf FAUN und OMNIA.

 

Wer diesen Mammutbericht jetzt tatsächlich bis zum Ende gelesen hat und immer noch nicht genug bekommen kann vom Festival Mediaval, der kann in unserer Gallery noch ein wenig in Erinnerungen schwelgen, dort findet Ihr über 700 Bilder von diesem Jahr.

 

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Autor:
redbeard

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22.09.2010

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