TANZT! - Kufstein, Kulturfabrik (13.11.2010)

 

tanzt

„TANZT!“ lautete am 13.11.2010 das Motto im Zentrum Kufsteins. Dort hatte der BB Events e.V. bereits zum vierten Mal eingeladen, um in fröhlicher Runde einen Abend mit mittelalterlicher Musik zu genießen – und für gerade einmal 13 Euro Abendkassenpreis war hier mit fünf Bands wirklich einiges geboten.

Im Vorraum der Kulturfabrik, einer alten Skifabrik, die bereits vor über 20 Jahren zur Veranstaltungslocation umgebaut wurde und die bis zu 500 Personen fasst, waren einige Stände aufgebaut, an den es diverses Szene-Zubehör zu erwerben gab, und auch für Getränke- und Essensversorgung in Form von Würstchen und Kartoffelsalat war gesorgt. 

CantusLevitasNach leicht verzögertem Einlass fiel die Aufgabe, den Abend zu reichlich früher Stunde um 19 Uhr einzuläuten, der jungen Spielmannsformation von CANTUS LEVITAS zu, die mit viel Spielfreude bei der Sache bei der Sache war. Die Truppe aus Heilbronn wartete mit einer kurzweiligen Mittelaltermetal-Mischung auf und bot hauptsächlich Eigenkompositionen in unterschiedlichen Sprachen dar, wobei mit einer Interpretation von „Douce Dame Jolie“ auch eines der bekanntesten traditionellen Stücke im Set vertreten war. Seit 2007 ist das Septett bereits gemeinsam unterwegs und man merkt ihnen die Erfahrung der drei Jahre, in den die Band bereits zwei Alben veröffentlicht hat, durchaus an - ganz über sprang der Funken in den 40 Minuten, die die Band auf der Bühne stand, trotzdem nicht.

Aus dem Leben
Thorrablot
Windkreis
Leonore
Sonnenkönig in die Flammen
Douce Dame Jolie
Stille Nebel
Veni Veni Venias
Plankensprung

IgnisGanz anders sah das schon bei IGNIS FATUU aus Nürnberg aus, die einem Teil des Publikums wohl noch aus dem Jahr 2008 bekannt waren, als sie schon einmal in Kufstein aufspielten. Mit frischem Klang und powergeladener Show sorgten sie dafür, dass die Stimmung ihren ersten Höhepunkt erreichte: Angezogen von der Mischung aus modernen Rockriffs und mittelalterlichen Melodien vermehrte sich die Publikumsanzahl vor der Bühne deutlich. Sämtliche der zum besten gegebenen Stücke stammten vom 2009er Debutalbum „Es werde Licht“, das von der Presse nahezu durchgehend sehr hohe Bewertungen erhielt und auch hier wieder großen Anklang fand: Die Menge wurde deutlich aktiver, klatschte im Takt der Lieder und tanzten schließlich gemeinsam den Frühlingsreigen, bevor der zweite Teil des Abends mit dem „Wächter der Nacht“ sein Ende fand.

 

 

Intro
Nordwind
Zeit
Dein Stern
Auf der Flucht
Drachenreiter
Spielmann
Frühlingsreigen
Illusion
Wächter der Nacht

CumuloNimbusEinen Tick härter wurden die Klänge, als CUMULO NIMBUS an dritter Stelle folgten. Sie nahmen das Publikum mit auf eine mitreißende musikalische Reise, die jedoch nicht ganz bis zurück ins Mittelalter reichte, denn die Band aus Landsberg am Lech hat sich einer Stilrichtung verschrieben, die sie selbst als Renaissance-Metal bezeichnen. Hier verschmolzen satte Klänge der eGitarre mit donnerndem Schlagzeug, den filigranen Tönen der Renaissancelaute und verspielten Blockflötenmelodien zu einer temporeichen und druckvollen Mischung, die ab dem ersten Song „Carpe Noctem“ zu begeistern wusste. Entscheidend trug dazu auch der charismatischer Sänger Mathis Mandjolin bei, der die düsteren Texte des Sextetts absolut überzeugend herüber brachte.

Auch CUMULO NIMBUS waren bereits auf dem ersten TANZT! zu Gast, haben sich doch inzwischen entscheidend weiterentwickelt. Die Show war ausgereifter, die Band auf der Bühne viel präsenter. Der Schwerpunkt lag dieses Mal auf dem aktuellen Album „Totensonntag“ (Siehe unsere Rezension) und gefühlt war es das kürzeste Set des Abends - sehr gern hätte das Konzert noch länger andauern können.

Carpe Noctem
Totensonntag
Wilder Reigen
Alte Mühle
Englischer Tanz
Wirtshaus
Aderlass
Komm mit

Trotzdem war wohl im Publikum niemand traurig, als die Umbaupause begann und kurze Zeit später VROUDENSPIL als Co-Headliner des Abends die Bühne enterten. Bisher waren die Freibeuter bei jeder TANZT! Veranstaltung dabei – und das völlig zu Recht, waren sie doch auch dieses Mal der stimmungsmäßige Höhepunkt des Abends, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass die Wurzeln der Band nun einmal in der Region liegen: Ein Heimvorteil, der an dem überragenden lokalen Fansupport ganz deutlich zu erkennen war. So war das Konzert auch das einzige, bei dem auf Grund des Andrangs vor der Bühne kaum mehr genug Raum zum Tanzen vorhanden war, während ansonsten immer genug Platz blieb, sich zu bewegen.

Vroudenspil

Die Band hatte dieses Mal ein zweigeteiltes Set im Gepäck: Während in der ersten Hälfte die alten Songs gespielt wurden konzentriere sich in der zweiten das neue Material, das auf dem kommenden Album „Tote Narren“ zu hören sein wird. Sehr kreativ wurde an dieser Stelle eine Besetzungsänderung umgesetzt: Nach dem „Lebenselexier“ inszenierte die Meute das wohl einzig Ende, das einem Piraten würdig ist und setzt Brabantus' Bühnendasein mit einem Schuss ein Ende. Er wird von nun an von Flosse am Akkordeon ersetzt zu werden. Noch ein wenig eindrucksvoller wäre die Szene wohl gewesen, wenn nicht gerade in diesem Moment jemand aus dem Publikum die Bühne erklommen hätte: „Hat jemand meinen Schuh gesehen?“ lautete die Frage, die da durch den Raum schallte, bevor das Programm ganz normal fortgesetzt wurde. Gerade auch die neuen Stücke sorgten für Begeisterung im Publikum und machten in typischer VROUDENSPIL-Manier bereits jetzt Lust auf die Scheibe, die am 31.03.2011 veröffentlicht werden wird. Beim letzten Lied – dem „unwichtigen Bösehold“, der seit neuestem nicht nur Alkohol und Frauen, sondern auch noch Bananen klaut – standen zum Abschluss auch noch einmal beide Musiker gemeinsam auf der Bühne.

Intro
Meuterei
Fiebertraum
Spielmannsweise
Wer Wind säht
Lebenselexier
Rum für die Welt
Alter Sack
Meerjungfrau
Hexe
Meute
Der unwichtige Bösehold

Die meisten Besucher waren wohl für die Freibeuter von Vroudenspîl in die Kulturfabrik gepilgert, jedenfalls leerte es sich nach dem Ende ihres Konzerts merklich, so dass zu Beginn des Auftritts von Nachtgeschrei nur noch gut ein Drittel der Besucher in der Halle verblieben war – und im Laufe des Konzerts wurden es noch einmal weniger.

NachtgeschreiZwar konnte die Band mit ihrem lebhaften Folk-Rock musikalisch - wie schon auf den letzten Auftritten - überzeugen, doch wies die Moderation sowohl hinsichtlich der Ausdrucksweise, als auch vom Inhalt her Schwächen auf. Prinzipiell sind Geschichten von und über die Band ja immer eine schöne Auflockerung, doch kann das mal mehr und mal weniger geschickt umgesetzt werde. Warum jedenfalls der inzwischen kaputte Bandbus genauso riecht wie Hottis (im folgenden Holger genannt) Bett und seine Hose und wie genau das alles mit „Glut in euren Augen“ zusammenhängt blieb zumindest unserer Gruppe unklar. Auch an anderen Stellen sah es nicht viel besser aus: „Männer wollen alle drei Jahre ihr Spielzeug austauschen“, meint der Frontmann zu Beginn von „Fernweh“. Das Publikum scheint da nicht ganz konform zu gehen, jedenfalls hält die spontane Zustimmung sich in Grenzen. Er korrigiert sich, bezieht es statt auf alle Männer nur noch auf seine Band – doch auch dort erntet er kaum mehr als Kopfschütteln. Und plötzlich ging es die ganze Zeit nur um Holger selbst.

Ob es nun an den etwas wirren Ansagen oder an der relativ späten Stunde lag: Im Verlauf des Konzertes leerte sich der Saal inner weiter, selbst aus den ersten Reihen verließen etliche Zuschauer das Konzert. Schade, denn abgesehen von besagtem Manko war die Show durchaus gut und die Stücke sind gerade in der Live-Version immer wieder absolut hörenswert. Hier stellten NACHTGESCHREI ihre Professionalität unter Beweis und spielten sich unter dem Applaus der verbliebenen Zuschauer tapfer durch die restlichen Songs.

Muspili
Räuber der Nacht
Hoffnungsschimmer
Herz aus Stein
Niob
Lauf
Grab
Fernweh
Windstill
Der Meister
Glut in euren Augen

Der offizielle Teil des Abends endete schließlich mit der Preisvergabe des Schandmaul-Gewinnspiels: Unter denjenigen, die am Abend an einer Umfrage zur TANZT!-Veranstaltung teilgenommen hatten, wurden 3x zwei Karten für das Schandmaul-Konzert im Zenith Anfang April verlost. Anschließend gab es bei Konservenmusik noch Gelegenheit, mit den Bandmitgliedern, Veranstaltern und dem verbliebenen Publikum weiterzufeiern, bevor der Abend schließlich um 2 Uhr beendet wurde: Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung mit familiärer Atmosphäre und feierfreudigem Publikum, die eindeutig auch eine etwas weitere Anfahrt lohnt.

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
04.02.2011

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