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NACHTGESCHREI, Elmsfeuer, Tumultus Simplex - Darmstadt, Goldene Krone (17.12.2011)

Nachtgeschrei, Goldene Krone, Darmstadt  - 17.12.2011

Ich bin ein Geburtstagsmuffel. Weder meinen eigenen feiere ich, noch lege ich gesteigerten Wert darauf, die anderer Menschen zu feiern. Aber es gibt auch Ausnahmen: Für das Sechs-Jahres-Konzert von „Nachtgeschrei“, das in der Goldenen Krone in Darmstadt gefeiert werden sollte, machten wir uns von Regensburg und Erlangen aus auf den Weg nach Hessen.

Der Einlass erfolgte pünktlich um 19:30 und sympathischerweise saß die Band selbst an der Abendkasse. Der Konzertraum war ein kleiner Saal im ersten Stock des Gebäudes, ein Teppich bedeckte den Bühnenboden teilweise und Backstage und Bühne waren nur durch den Publikumsbereich zugänglich.

ELMSFEUER

Den Abend eröffnete um kurz nach acht ELMSFFEUER aus dem nur wenige Kilometer von Darmstadt entfernten Dieburg. Deren Verbindung zu Nachtgeschrei lässt sich in der 2006 aufgelösten Band PAIMON finden, in der der Gitarrist von ELMSFEUER mit einigen der NACHTGESCHREI-Musiker gemeinsam spielte.

ElmsfeuerBei Elmsfeuern handelt es sich eigentlich um eine Lichterscheinung, die im Gewitter u.a. an Schiffsmasten auftreten kann und nach dem Schutzheiligen der Seeleute benannt ist. Denn die Seefahrer, oder spezieller: Die Piraten, haben sich ELMSFEUER seit ihrer Gründung im Frühling 2010 zum Motto gemacht. Durch das Programm führte Sänger Wirti und es war gut, vor den Songs einige Worte über deren Inhalt zu hören, da der Sound leider so eingestellt war, dass man vom eigentlichen Gesang kaum ein Wort verstehen konnte. Wirklich ideal abgemischt war der Klang allerdings auch bei den folgenden beiden Bands des Abends nicht.

Wenn sich auch die selbstgewählte Genrebezeichnung „Mittelalterlicher Piratenrock“ von „Freibeuterfolk“ unterscheidet, müssen sich ELMSFEUER mit ihrer Musik wohl oder übel an VROUDENSPIL messen lassen, wobei sich die sechs Hessen unter anderem durch die Besetzung von ihnen unterschieden: Statt Dudelsack und Flöte gab es hier André an der E-Gitarre und Geigerin Franzi zu hören. Wenn auch die Münchner/Rosenheimer einfach schon um Längen weiter sind machte auch die Musik von ELMSFEUER Spaß und war ein angenehmer Beginn des langen Konzertabends – so verging die knappe Stunde wie im Flug.

Leider wirkte die Band auf der Bühne noch etwas steif und es gab kaum Interaktion zwischen den Musikern. So kam Bassist Holsch durchaus ab und an einige Meter nach vorne, oder Akkordeonspielerin Anni versuchte mit dem nebenstehenden Gitarristen zu interagieren, doch dieser ignorierte sie völlig und schaute lieber weiterhin konzentriert auf den Gitarrenhals. Da bleibt jedoch die Hoffnung, dass sich solche Punkte mit wachsender Bühnenerfahrung und Showroutine ändern. Die Ansätze wussten jedenfalls zu gefallen, und so ist ELMSFEUER definitiv eine Band, deren weiteren Weg man im Auge behalten sollte.  Ein Besuch auf www.piratenrock.de sei durchaus ebenfalls empfohlen.

Setlist:

  1. Intro
  2. Schatzsuche
  3. Klaus
  4. Das wahre Leben
  5. Schlange/Ratte
  6. Tavernenspektakel
  7. Humpen
  8. Seeräuberleyd
  9. Weltenrand

TUMULTUS SIMPLEX

Tumultus SimplexTUMULTUS SIMPLEX ließen das Herz eines jeden Trommel/Dudelsack-Fans höher schlagen, und gemessen am aufbrandenden Jubel schien es davon im Publikum eine Menge zu geben. Die Band wurde bereits im März 2003 gegründet und wirkte in dem, was sie tat, deutlich mehr zu Hause als ihre Vorgänger. Die schnellen Rhythmen luden dazu ein, das Tanzbein zu schwingen – und das ließen sich insbesondere die weiter vorne stehenden Besucher nicht zwei Mal sagen.

Die anfeuernden Zwischenrufe und Kommentare ohne Mikrofon dürften wohl nur die ersten Reihen gehört haben. Die eigentlichen Ansagen von Fredegar waren dann aber doch für alle hörbar, und dort wurde die Geschichte der jeweiligen Songs erzählt, mit Königen, Jungfrauen und Räubern in den Hauptrollen. Die Lieder selbst waren grundsätzlich Instrumentalstücke, wobei es sich abwechselte, ob alle drei Musiker an diversen Trommeln und Schlagwerken zu finden waren, oder ob zwei Trommeln mit Dudelsack kombiniert wurden.

Als erste Zugabe gab es schließlich noch ein SCHELMISH-Cover. Die Band rief dabei einen Wettstreit mit dem Publikum aus, in dem es darum ging, ob die Band schneller Trommeln oder das Publikum schneller klatschen konnte - Tatsächlich gewann am Ende das Publikum. Während der Jubel beim ersten Mal echt war ging die Initiative zur zweiten Zugabe nicht vom Publikum, sondern von der Band aus. Ein wenig albern ist es schon, wenn sich die Mannen vors Volk stellen und tatsächlich „ruft doch noch mal Zugabe“ fordern. Sollten das nicht eigentlich die Zuschauer selbst entscheiden? Ihrem Wunsch wurde allerdings Folge geleistet und so kamen die Musiker in den Genuss, eine weitere Zugabe spielen zu dürfen.

NACHTGESCHREI

SaneNach einer kurzen Umbaupause begann das Set der sieben Frankfurter in gewohnter Manier mit dem Instrumental „Ad Astra“. Schlagzeuger Stefan begann das Spiel, der Rest der Musiker betrat nacheinander die Bühne. Als die Band schließlich vollständig war, wurde mit „An mein Ende“ gleich richtig losgelegt. Anschließend folgte mit „Kein reiner Ort“ ein weiterer Song vom aktuellen Album, der, wie mit einem Schmunzeln bemerkt wurde, recht gut zur Goldenen Krone passte. Kraftvoll ging es mit „Niob“, „Muspilli“ und den „Räubern“ weiter, bevor der „Herbst“ eine kurze Verschnaufpause mit sich brachte. Passte das Lied auch zum Wetter außerhalb des Saals, hatte es sich innen schon ziemlich aufgeheizt und die Stimmung war ausgelassen. Im Laufe des Abends leerte Hotti die eine oder andere Wasserflasche teilweise über dem Kopf und reichte das verbliebene Wasser in die erste Reihe weiter, wo es nur allzu dankbar angenommen wurde. Die beiden Vorbands hatten ihren Aufgabe gut erfüllt, das Publikum war bestens aufgewärmt und beim NACHTGESCHREI-Auftritt von der ersten Sekunde an voller Begeisterung dabei. Bei „Ardeo“ wurden die Arme im Refrain gemeinsam „wie Flügel“ in den Himmel gereckt, bei den anderen Liedern wurde geklatscht, gesprungen und natürlich lauthals mitgesungen – der ein oder andere dürfte am Ende des Abends ziemlich heiser gewesen sein. Hier zeigte sich ganz klar, dass die Geburtstagskonzerte der Band etwas ganz Besonderes sind.

HottiBei „Lauf“ vertraute sich Hotti den Händen des Publikums beim Crowdsurfing an. Allerdings nur bis fast in die letzten Reihen: „Bis ganz nach hinten trau ich mich nicht, da fall ich nur aufs Mischpult“. Strahlend ließ sich der Sänger über die Menge tragen, bis er wieder wohlbehalten auf der Bühne ankam und das nächste Lied „Herz aus Stein“ ankündigte, das, wie er meinte, momentan eigentlich gar nicht zu ihm passte. „Nah am Wasser“ würde es eher treffen. Und es war wahrlich ein emotionales Konzert – sowohl für die Band als auch für die Zuschauer.

Eine große Freude bereitete die Band den Anwesenden damit, dass endlich mal wieder die „Drei Lügen“ gespielt wurden. Schon die Ankündigung rief laute Begeisterung hervor und am Ende des Stücks nahm die Begeisterung kaum ein Ende. „Mehr altes Zeug!“, rief einer der Zuschauer, und ein anderer wünschte sich mit „Mein Land“ und „Geschenk“ Songs der ersten Promoscheiben, doch Hotti erklärte, dass es egal sei, wie geil die Lieder seien, wenn man sie zu lang spiele machten sie irgendwann keinen Spaß mehr. Doch daran, dass eben doch hin und wieder einer der alten Songs seinen Weg auf die Setlist findet, merkt man, dass die Band sich dieses Publikumswunschs durchaus bewusst ist.

„Kommen wir zu einem unangenehmeren Thema. Ihr alle wisst, ich höre nächstes Jahr auf.“ Die Melancholie, den charismatischen Sänger nun zum nahezu letzten Mal auf der Bühne stehen zu sehen war greifbar. „Ihr wisst, für euch würde ich ewig weiter machen!“, meinte Hotti, erntete damit tosenden Applaus und erklärt anschließend, dass manche Entscheidungen einfach getroffen werden müssen, egal wie schwer sie in dem Moment für einen selbst oder für andere seien. Er meinte, dass zwar im März noch einige Konzerte gespielt werden würden, aber es dieser Abend in Darmstadt sein sollte, der in Erinnerung bleiben sollte - Und es wurde tatsächlich ein mehr als erinnerungswürdiger Abend. Zu diesem Anlass folgte daraufhin eine Premiere: Zum ersten Mal gab es den „Reisenden“ live zu hören und dafür hatten sowohl Sane als auch Bassist Oli Akustikgitarren herausgeholt. Für Oli wurde auch im Laufe des Abends noch „Happy Birthday“ angestimmt, da die Band-Geburtstagsfeier passender Weise auf seinen Geburtstag fiel.

Nachtgeschrei„Ich werde heute jeden Herzschlag genießen“, meinte Hotti, bevor das nächste Lied angestimmt wurde. Da war er, gemessen an der Ausgelassenheit und dem Enthusiasmus mit dem gefeiert wurde, wohl nicht der Einzige. Auch der „Meister“ wurde ebenso wie „Fernweh“ überschwänglich begrüßt. Zur Freude der Band zeigte sich das Publikum die ganze Zeit über ausgesprochen mitsingfreudig und – ganz wie es sich für ein Publikum bei einem Jubiläumsanlass gehört – textsicher. In „Windstill“ sang das Publikum sogar geschlossen die Instrumente mit – und ersetzte dadurch auch die anschließenden Zugabenrufe.

Dem Wunsch nach mehr wurde stattgegeben. Mit „Wuetis“ fand ein weiteres Instrumentalstück den Weg ins Set bevor zu „Windfahrt“ noch einmal gemeinsam gerockt wurde. Dass das Publikum singen konnte hatte es im Laufe des Abends schon mehrmals unter Beweis gestellt. „Könnt ihr auch das singen?“, fragte Hotti und stimmte die ersten Worte des Refrains von „Glut in euren Augen“ an. Sofort fiel der ganze Saal mit ein, natürlich saß auch hier jedes Wort.

Eigentlich hatte die Band geplant, das Set mit dieser Zugabe tatsächlich zu beenden, doch der Jubel nahm kein Ende. Kaum waren die wieder aufgegriffenen „Windstill“-Gesänge schließlich doch abgeflaut wurde ein neuer Klatschrhythmus begonnen und der Bandname im Chor herausgeschrien. Immer wieder. Bis schließlich klar war, dass das Publikum nicht eher Ruhe geben würde, bis es noch eine Zugabe bekam. Sichtlich gerührt kamen Hotti und Sane, bewaffnet mit Akustikgitarre, zurück auf die Bühne. „Eigentlich planen wir unsere Zugaben!“ Ohne dass irgendjemand dazu aufgefordert hätte setzte sich das Publikum nahezu geschlossen hin, nur direkt vor der Tür blieben einige Leute stehen. „Reise zu den Seen!“, ertönt ein Ruf aus der Menge. Hotti schaut ins Publikum: „Kannst du haben!“. Als die beiden Musiker das Lied anstimmten, sang wirklich jeder mit. Zwischendurch hörte Hotti selbst auf zu singen und lauschte einfach dem großen Chor.  Blickte man sich um so sah man in unzählige strahlende Gesichter, doch der ein oder andere wischte sich auch verstohlen die Augenwinkel. So war diese spontane Zugabe ohne Zweifel der emotionale Höhepunkt des Abends. Für den letzten Refrain gesellten sich auch die anderen Musiker frisch verkabelt wieder auf die Bühne, bevor es, von allen gemeinsam gespielt, noch ein tatsächlich letztes Stück gab. Woher auch immer die Energie kam, weiter zu feiern: Sie war da. Mit dem „Hoffnungsschimmer“ ging um halb eins das definitiv kürzeste 2,5 Stunden-Konzert, auf dem ich jemals war, zu Ende.

Publikum

Fazit: Ein Abend, der sich kaum angemessen in Worte fassen lässt. Und so lasse ich es abschließend einfach bei: WOW! Danke! Mein Konzert des Jahres 2011.

 

Setlist:

  1. Ad Astra
  2. An mein Ende
  3. Kein reiner Ort
  4. Niob
  5. Muspilli
  6. Räuber
  7. Herbst
  8. Totmacher
  9. Ich hör nichts mehr
  10. Ardeo
  11. Lauf
  12. Herz aus Stein
  13. Drei Lügen
  14. Der Reisende
  15. Herzschlag
  16. Meister
  17. Fernweh
  18. Windstill

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  1. Wuetis
  2. Windfahrt
  3. Glut in euren Augen

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  1. Reise zu den Seen
  2. Hoffnungsschimmer

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
18.12.2011

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