WAVE GOTIK TREFFEN - Leipzig (25.-28.05.2012)

WGT 2012

Vom 25. bis zum 28. Mai war es wieder einmal so weit und Leipzig verwandelte sich für das Pfingstwochenende in die wohl schwärzeste Stadt Deutschlands. Auch wenn das eigentliche Festivalprogramm erst am Freitag begann reisten viele Festivalteilnehmer aus ganz Deutschland und weit darüber hinaus schon einen Tag früher an um auf einer der gut besuchten Warm up-Parties im Beyerhaus-Keller, der Agra 2.0 oder der Villa, der Moritzbastei oder dem Darkflower bereits die erste Nacht durchzutanzen. Alternativ konnte man sich natürlich auch auf dem Campingplatz in gemütlicher Runde auf die kommenden Tage einstellen. Von dort aus hatte man, nachdem die Hitze des Tages verklungen war, sogar einen guten Blick auf das Feuerwerk, das hinter den Baumwipfeln in die Luft geschossen wurde.  

Freitag

Heidnisches DorfDer erste Festivaltag begann standesgemäß im Heidnischen Dorf am Gelände des Torhaus Dölitz, einem der wenigen Spielorte des WAVE GOTIK TREFFENs, zu denen auch Tagesbesuchern Einlass gewährt wird. Das erste Mal durch das große Tor zu gehen und das über die Jahre vertraut gewordene Marktgelände zu betreten weckte ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens, das von der entspannten Atmosphäre gleich noch einmal verstärkt wurde. Wie immer waren auf der linken Seite eine schöne Auswahl unterschiedlicher Essens- und Getränkestände aufgebaut, während sich auf der anderen Seite der Hauptteil des Areals mit der eigentlichen Shoppingmeile erstreckte. Das Gelände lud zum gemütlichen umherschlendern ebenso ein wie dazu, sich im gemütlichen Teezelt niederzulassen, wo man sich neben erfrischenden Getränken auch verschiedenes orientalisches Süßgebäck schmecken lassen konnte.Im Bereich der kleineren Brunnenbühne war das Gelände etwas erweitert worden, dort fand neben zwei Lederkramverkäufern auch der Stand des Zillo Mediaval-Magazins Platz, an dem sich im Laufe des Wochenendes immer wieder einmal Bands zur Autogramm- und Plauderstunde einfanden.

Um 11 Uhr wurde das Musikprogramm im Heidnischen Dorf von der Fantasyfolkband TIBETREA eröffnet. Die Bühne war im Vergleich zu den Vorjahren auf Wunsch der norwegischen Band WARDRUNA vergrößert worden und auch der Sound wurde deutlich aufpoliert. Im Allgemeinen ein eindeutiger Vorteil – nur der Openerband hatte der verwaschene Sound der Vorjahre eindeutig besser zu Gesicht gestanden. War es in den vergangenen Jahren immer eine Freude, es sich auf der Wiese gemütlich zu machen und den entspannenden Klängen zu lauschen konnte insbesondere die Gesangsleistung dieses Mal nicht überzeugen. Einen Pluspunkt konnte die Band dennoch verzeichnen: Nachdem Bands wie THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT und VROUDENSPIL in diesem Jahr leider nicht vertreten waren boten TIBETREA einen der wenigen regelmäßigen Abwechslungen im Trommel-Dudelsack-Sumpf.

Bevor RELIQUIAE spielten wurden die hellen Holzbretter, mit denen die Bühne verkleidet war um ihr ein mittelalterlicheres Aussehen zu verleihen, noch schnell einmal gebeizt, dann konnte es losgehen. Dem Quintett war es nicht daran gelegen, mittelalterliche Musik originalgetreu wiederzugeben sondern sie machten sich mit viel Elan daran, die Musik für die heutige Zeit angemessen zu interpretieren.

Nach einem weiteren Aufritt von TIBETREA war es an der Reihe von ACOUSTIC REVOLUTION im Heidnischen Dorf für Stimmung zu sorgen. Das Trio, das erst am Tag zuvor im Augsburger Spektrum sein neues Album vorgestellt hatte, hatte sich vorwiegend dem keltischen Folk verschrieben und brachte seine Songs mit Akustikgitarre, Banjo und Kontrabass auf die Bühne.

So schwer es jedes Mal wieder fällt, das Heidnische Dorf zu verlassen, war es doch irgendwann an der Zeit weiterzuziehen. Da die öffentlichen Verkehrsmittel für WGT-Besucher von Freitagmittag bis Montagnacht kostenlos nutzbar waren ging es mit der Bahn in Richtung der belebten Leipziger Innenstadt. Während man in einige Ecken der Stadt am Pfingstwochenende fast nur schwarze Gestalten umherlaufen sah präsentierte sich in der Innenstadt eine interessante Mischung: zwischen klassischem schwarz, grell leuchtenden Cybergothics, aufwendigen Steampunk-Kostümen, viktorianischen Gewandungen und dem ein oder anderen Latexoutfit tummelten sich Leipziger Normalbürger, die sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre ausgezeichnet mit dem Pfingstrubel arrangiert haben. Gutmütig nahmen sie die Besuchermassen hin und begnügten sich damit, die ungewöhnlichen Gestalten, die durch die Straßen wandeln, zu fotografieren.

SixtinaNach einem Besuch in einer der nahezu vollbesetzten Eisdielen stehen SCHOCK auf dem Programm, die in der Absintheria Sixtina spielen, wo sie bereits zwei Jahre zuvor aufgetreten waren. Während der Schlagzeuger noch den Soundcheck für den Sänger erledigte war sowohl die Bierbänke, als auch der restliche Innenhof schon gut gefüllt. In den ersten Reihen standen dabei viele Leute mit Fanshirts, die auch mit den Songs wohlvertraut waren. Frontmann Michael suchte während der Show immer wieder Publikumsnähe, wenn er nicht gerade über die Bühne sprang, die für das singende Energiebündel etwas zu klein geraten war. Dementsprechend leicht passierte es, dass er in „Lauf“ versehentlich den hinter ihm stehenden Bassisten und den Mikroständer über den Haufen rannte. „Leipzig, geht es euch gut?“, erkundigte sich die Band und fügte hinzu, dass diese Frage den Anwesenden nach dem Wochenende vermutlich sehr zum Hals raushängen würde. „Aber wir spielen Freitag – da kann das noch richtig geil werden!“.  Die Setlist enthielt dieses Mal viele alte Songs. „Ich kam mir zwischendrin vor wie ‚10 Jahre Erwacht-Album‘“, kommentierte Gitarrist Lars am Ende.

Die Zeit reichte gerade um den recht langen Weg zum Felsenkeller zu bewältigen, wo um 21 Uhr THE EDEN HOUSE spielen sollten. Die große Menschenansammlung vor dem Gebäude ließ von weitem den Eindruck entstehen, dass aus irgendeinem Grund der Einlass noch nicht begonnen hätte, bis sich beim näherkommen herausstelle, dass lediglich die Raucherfraktion besonders zahlreich war. Die Band bestand vorwiegend aus Musikern, die bereits zuvor in sehr bekannten Bands wie FIELDS OF THE NEPHILIM mitgewirkt haben oder auch Künstlern wie EVI VINE, die im Laufe des Wochenendes nochmal mit ihrem eigenen Projekt im Schauspielhaus auftrat. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, die in das Konzert gesetzt wurden und die Band hatte trotz allem musikalischen Können Mühe, diesen gerecht zu werden. Der Funke sprang nicht ganz über und die Band konnte  live deutlich weniger begeistern, als auf CD.

Agra HalleAuf dem Weg zur Agra Halle wurde noch ein kurzer Stop im Heidnischen Dorf eingelegt, wo WARDRUNA aus dem norwegischen Bergen ihren ersten Auftritt  des Wochenendes absolvierten. Die Band hatte seit ihrer Gründung im Jahr 2003 gerade einmal ein Album produziert, das auf acht der Runen aus dem ältesten Runenalphabet basierte – es soll den Auftakt zu einer Trilogie darstellen. WARDRUNA beschäftigen sich mit Naturreligionen und nordischem Spiritualismus und die Songs waren sehr meditativ angehaucht. Während atmosphärische Hintergrundgeräusche wie Regenprasseln von Band eingespielt wurden sorgten die Musiker mit Blick fürs Detail und außergewöhnlichen Instrumenten im stimmigen Ambiente des Heidnischen Dorfes für einen interessanten Abend.

Um halb zwölf begannen EISBRECHER mit ihrem Song „Exzess Express“ vom aktuellen Album „Die Hölle muss warten“ das fulminante Abschlusskonzert des Tages. Für das WAVE GOTIK TREFFEN legten sich die Musiker um Frontmann Alex Wesselsky besonders ins Zeug und heizten dem Publikum mit Songs wie „Willkommen im Nichts“ oder „Amok“ kräftig ein. Zwischenzeitlich holten sie auch zwei Frauen auf die Bühne, von denen der Backgroundgesang auf den CDs stammte und bei „This is Deutsch“, bei dem nicht nur die Bayern- sondern auch die Sachsen-Flagge geschwenkt wurde, leistete Tom von S.I.T.D. dem Sextett auf der Bühne Gesellschaft. Gemeinsam spielten sie seinen Remix des Songs, der noch einmal ein Stück härter als die Originalversion war.

Als Alex die „Schwarze Witwe“ ankündigte erklärte er, dass dieser Song etwas Besonderes wäre, da er die Band erst zur schwarzen Szene geführt hätte. „Wir waren ahnungslose Rockmusiker!“ Heute ist ihr Status in der Szene unbestritten und der Auftritt der Band wurde begeistert gefeiert.

Samstag 

Wie jedes Jahr waren auch dieses Mal wiederein Kaffeeverkäufer und die Frühstückskobolde auf dem Platz unterwegs und versorgten die Camper, die daran Interesse hatten, gegen einen geringen Obolus mit leckerem Frühstück.

Heidnisches DorfDa die Lesungen von Christian von Aster im Cinestar in der Vergangenheit meistens sehr voll waren und man sehr früh vor Ort sein musste um noch einen Platz im Saal zu bekommen fiel die Wahl letztendlich abermals auf das Heidnische Dorf, wo die selben Bands auftraten wie am Tag zuvor. Zu Beginn waren nach der ausgiebigen Feierei des Vortags nur wenige Zuschauer vor Ort, doch mit der Zeit trudelten immer mehr Besucher ein und der Platz vor der Bühne füllte sich.

Das Angebot des WAVE GOTIK TREFFEN ging über ein reines Musikprogramm weit hinaus. Neben Lesungen, Konzerten, Oper-, Theater- und Musicalaufführungen hatten auch einige Museen ihre Tore für WGT-Gäste geöffnet. Darunter waren die am Johannisplatz gelegenen Museen im Grassi mit den Abteilungen für angewandte Kunst, Musikinstrumente und Völkerkunde. Die sehr anschaulich gestaltete, modernen Ausstellungen erstreckten sich auf über mehrere Stockwerke – allein das Völkerkundemuseum nimmt 4000m² ein! – und man sollte man sich wirklich viel Zeit nehmen um in Ruhe hindurchzugehen und all die Informationen aufzunehmen. Definitiv ein Highlight war die aktuelle Sonderausstellung „Entdecke Korea! – Schätze aus deutschen Museen“ und bestimmt sehr spannend wäre auch das Klanglabor gewesen, das jedoch leider in der Woche geschlossen hatte.

Nach einem Sparziergang durch die Innenstadt und einem weiteren, dem brillanten Wetter geschuldeten Eisdielenbesuch ging es zurück ins Heidnische Dorf, wo um 18:30 EUZEN auftraten. Die charismatische Sängerin Maria Franz und Keyboarder Christopher Juul standen bereits vor zwei Jahren mit VALRAVN dort auf der Bühne und freuten sich darüber, nun mit dem eigenen Projekt zurück zu sein. Die fünf Dänen nahmen die Zuschauer mit auf eine klangliche Erlebnisreise, die sich quer durch verschiedene Genres zog. Die Musik, die uns schon vergangenes Jahr auf CD (siehe unsere Rezension zu „Sequel“) begeistert hatte, war am ehesten als avantgardistischer Gothic-Folk-Pop zu bezeichnen und lud die Anwesenden zum tanzen und träumen ein. Auch bei Euzen gab es einen Gast auf der Bühne und die Berliner Beatritsche führte ihre Kontaktjonglage-Künste vor. Nach dem sehr gelungenen Konzert war es bereits zu spät um von der vielversprechenden kanadischen Band von MUSK OX im Schauspielhaus noch etwas mitzubekommen, daher wurde entschieden, noch bei TROBAR DE MORTE zu bleiben. Die spanische Band um Sängerin Lady Morte war schon im Vorjahr auf dem WAVE GOTIK TREFFEN aufgetreten, doch passte sie wesentlich besser ins Heidnische Dorf. Sie verstanden es großartig, die dortige Atmosphäre für sich zu nutzen und entführten die Zuhörer in eine märchenhafte Welt, die sie bis zum Ende des Auftritts nicht mehr losließ.Heidnisches Dorf

Anschließend sollte der Weg wieder in Richtung Westen zum Felsenkeller führen. Beim Betreten des Gebäudes schlug einem feuchtwarme Luft entgegen, innen drängten sich die Menschen dicht aneinander und lauschten den letzten Liedern von ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO. Die emotionale Musik fiel in den Bereich zwischen Apocalyptic Folk und Neoklassik und verbreitete eine verträumte, beinahe schwerelose Atmosphäre. Als das Konzert vorüber war strömten die meisten Zuschauer aus dem Saal um erst einmal frische Luft zu schnappen – und diese Pause zog sich länger hin als erwartet, denn HEKATE begannen über 45 Minuten später als vorgesehen. Als es schließlich losging war der Saal leerer als bei der vorigen Band, obwohl HEKATE an diesem Abend ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feierten. Die Koblenzer hatten zu diesem Anlass einige Gastmusiker eingeladen, darunter Matt Howden alias SIEBEN, der bei „Danse de l‘obscurité“ mit auf der Bühne stand. Durch die Verspätung spielte die Band noch, als bereits die letzte reguläre S-Bahn fuhr, so dass viele Gäste das Konzert vorzeitig verließen.

Auch an diesem Abend war nach Ende der Konzerte in den verschiedenen Clubs Leipzigs einiges geboten.  So legten unter anderem Alex von EISBRECHER und Adrian Hates von DIARY OF DREAMS im brechendvollen Darkflower auf und animierte die Menge zum tanzen. Alternativ fand im Städtischen Kaufhaus zum zweiten Mal an diesem Wochenende der Dunkelromantische Tanz statt, der sich bis in die frühen Morgenstunden hinzog.

Sonntag – 27.05

Heidnisches DorfAm dritten WGT-Tag wurden die Bands, die an den ersten zwei Tagen im Heidnischen Dorf aufgetreten waren mit denen getauscht, die bisher auf dem Mittelaltermarkt der Moritzbastei gespielt hatten. So wurde der Tag dieses Mal von ZACKENFLANKE eingeleitet. Für eine Trommel-Dudelsackband waren die sechs Musiker ausgesprochen gut und verbreiteten mit flotten, tanzbaren Melodien auch schon zu früher Stunde gute Laune. Besonders gelungen waren die Songs, die einen Hauch Country – allen voran „Gundula“ – oder orientalischen Einfluss mit sich trugen. Allzu viel Publikum hatte sich um elf Uhr zwar noch nicht eingefunden, doch während einige Leute es sich auf der Wiese zum frühstücken bequem machten tanzten andere bereits ausgelassen vor der Bühne und wirbelten dabei gehörige Staubmengen auf - man merkte deutlich, dass es seit Tagen nicht mehr geregnet hatte. Während es anschließend auf der kleineren Brunnenbühne mit NACHTWINDHEIM weiterging bauten HARPYIE ihr Instrumentarium auf der Bühne auf. Während uns die Band mit ihrem Debutalbum „Blindflug“ (Siehe unsere Rezension) nicht wirklich überzeugen konnte entpuppten sie sich live als sehr sympathische Truppe, die auch vor einem Cover des RAMMSTEIN-Songs „Rosenrot“ nicht zurückschreckte. Sie spalteten das Publikum trotzdem, die Beschreibungen reichten von „Höchststrafe“ bis zu Begeisterungsstürmen – und am Ende des Wochenendes waren auch am neben der Bühne postierten Miroque-Stand alle CDs der Band ausverkauft.

Um 12:00 begannen ADVERSUS in der Absintheria Sixtina mit ihrem Auftritt, der aus einer Mischung aus Akustikkonzert und Lesung bestand. Die vorgetragenen Texte waren spannende Ausschnitte aus Geschichten von Sänger Thorsten Schneyer und wurden auch von diesem vorgelesen, leider waren sie teils etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Dafür entschädigte jedoch der musikalische Teil der Veranstaltung, der umso intensiver war – auch wenn die Musiker Mühe hatten, alle auf der Bühne Platz zu finden, so dass es auch zu dem ein oder anderen Ausflug ins Publikum kam.  

Da das sonntägliche Frühnachmittagsprogramm wenige musikalische Highlights aufweisen konnte ließ sich die Zeit gut nutzen, um der Ausstellung „Boten des Todes“ im Schwarz10 einen Besuch abzustatten. Von der Straßenbahnhaltestelle nur wenige Meter entfernt lag das Haus auf dessen Dachboden die Ausstellung aufgebaut war. Auf dem Weg dorthin hieß es erst einmal mehrere Etagen Treppen steigen, wobei man im Treppenhaus eine Menge amüsante, auf am Fenster klebenden Zetteln notierte Antworten auf die Frage finden konnte, was die Leute zerstören würden, wenn sie denn etwas Schönes vernichten müssten. Oben angekommen erwarteten die Besucher Mythen über die tierischen „Begleiter des Todes“, vor allem den Totenkopfschwärmer und Raben. Die Geschichten wurden dabei vom „Schemenkabinett“ geschickt mit den biologischen Hintergründen. Zwar merkte man, dass die Ausstellung nicht von Profis ausgerichtet wurde, doch waren die Informationen und Ausstellungsstücke liebevoll ausgewählt und das Ganze vielseitig gestaltet. Sehr sehenswert!

SchauspielhausWieder musikalisch wurde es um 18 Uhr mit dem spanischen Duo AURA NOCTIS im Schauspielhaus.  Ganz klar inspiriert von brillanten Bands wie STOA, wenn auch nicht ganz auf dem gleichen Niveau, verzauberten die beiden ihre Zuhörer mit neoklassischen Klängen.Zwar hätten ab 19 Uhr A LIVE [DIVIDED]in der Agra Halle gespielt und das Konzert wäre ohne Zweifel sehr sehenswert gewesen, doch war es definitiv keine falsche Entscheidung, für JORDAN REYNE darauf zu verzichten. Die neuseeländische Künstlerin, die für längere Zeit in Deutschland gelebt hatte, fing sofort als sie mit dem Soundcheck fertig war gnadenlos mit dem eigentlichen Konzert an, obwohl der Saal noch hell erleuchtet und die Türen geöffnet waren. Schon damit sorgte sie für Amüsement im Publikum, das sie mit ihrem trockenen Humor im Verlauf des Abends noch weit öfter zum Lachen brachte. „All my songs are about death, otherwise I wouldn’t be playing here“, erklärte sie und erkundigte sich, ob irgendwelche Gäste aus Neuseeland anwesend wären, was jedoch nicht der Fall war. Die Künstlerin stand allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne, nahm jedoch teils Gesang- und Gitarrenspuren auf, die anschließend in Schleife gelegt wurden. Darüber hinaus spielte auch noch weitere Hintergrundsounds wie Maschinengeräusche ein, ihr aktuelles Album trägt dazu passend den Titel „Children oft he Factory Nation“. Absolut überzeugen konnte sie mit ihrer rauchigen, lebhaften Stimme und vor allem auch den sympathischen Zwischenkommentaren.  „I’m gonna play another sad song – surprise!“, kündigte sie an und erklärte später: „Alle meine Lieder beginnen fröhlich und enden mit dem Tod. Das funktioniert für mich“. Das nächste Lied sei immerhin etwas optimistischer. „Das ist überhaupt das einzige optimistische Lied, das ich habe. Ich weiß jetzt warum: Ein Optimist ist einfach ein schlecht informierter Pessimist. Es heißt ‚Don’t look down‘“. Auch ihre Zeit in Deutschland spiegelte sich in der Musik wieder: Der gegen Ende als Zugabe gespielte Song „Karlsruhe“ bestand neben dem Gesang hauptsächlich aus gesampelten Geräuschen von Karlsruher Zügen, wobei es tatsächlich ein Zug-Solo gab. Alles in allem war der Auftritt ein sehr besonderes Konzert, bei dem die Standing Ovations absolut verdient  waren - Ganz klar eines der Wochenendhighlights!

Mit EVI VINE ging es im Anschluss weiter, doch auch wenn die Künstlerin ihr Handwerk verstand konnte sie mit ihrer atmosphärischen Musik nicht ganz an die Qualität des vorigen Konzerts anknüpfen – Schön anzuhören war es dennoch. „Gehen oder bleiben?“ lautete danach die schwere Frage, standen doch neben QNTAL auch noch DIARY OF DREAMS in der Agra Halle und die DARK SHADOWS im Felsenkeller zur Debatte, die alle drei erwiesener Maßen großartige Livebands sind. Ausschlaggebend war letztendlich tatsächlich die Location, da das Schauspielhaus normalerweise mit Abstand den besten Sound aufweist. An diesem Abend sollte sich das jedoch als Fehlentscheidung herausstellen. War der Sound die drei Konzerte tadellos gewesen wurde nun die Lautstärke beträchtlich erhöht und als die Musiker zu spielen begannen wurde der Mix unglaublich stark von den elektronischen Elementen in der Musik dominiert und zu den auf der Bühne vorhandenen Instrumenten noch weiter von Band eingespielt, wodurch die Spuren noch verwaschener wirkten. Da es auf Dauer etwas frustrierend war, großartige Künstler wie Michael Popp zwar spielen zu sehen, das jeweilige Instrument aber nicht hören zu können (Immerhin Schlagzeuger Markus Köstner war durchgehend hörbar) entschieden wir uns letztendlich dazu, den Saal vorzeitig zu verlassen und lieber noch ein wenig dem bunten Treiben vor der Agra Halle zuzusehen.

Montag – 28.05

Heidnisches DorfDer letzte Tag des WAVE GOTIK TREFFENs wurde abermals von HARPYIE eröffnet, bevor um 12:30 Uhr OMDULÖ auf die Bühne kamen. Die junge Paganfolktruppe aus dem Altenburger Land präsentierte eine ansprechende Mischung aus Songs, die hauptsächlich von ihren Alben „Waldgeboren“ und „Menschenmaler“ stammte, dazu feierte ein bisher unbenanntes Lied seine Premiere. Man sah dem sympathischen Quintett den Spaß auf der Bühne an während sie ihre Stücke darboten, die ihre Inspiration aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen bezogen. So war zum Beispiel „Onomatopeia“ vorwiegend afrikanisch beeinflusst, während es sich bei „Neachtains“ um einen typisch irischen Song handelte. Im reichhaltigen Instrumentarium der Band fanden sich neben Nyckelharpa und Drehleiher auch Didgeridoo und eine Trommel wieder, in der Reiskörner umher geschwenkt wurden. Die Vielfalt sorgte dafür, dass das Zuhören nie langweilig wurde und die Spielzeit verging wie im Fluge. Danach waren zuerst ZACKENFLANKE und anschließend noch einmal HARPYIE an der Reihe, das Publikum mit rockigeren Klängen in Hochstimmung zu versetzen.

Um 18:00 führte der Weg abermals ins Schauspielhaus, wo nach dem Puppentheater von LOLA ANGST die armenische Band DOGMA auf dem Programm stand. Während sie zu Hause in Jerewan zu den wirklichen Stars gehören sind sie im westlichen Europa unverdient unbekannt. Das Set begann mit einem von Drummer, Gitarrist und Bassist gespielten Instrumental bevor die Sängerin Zarah mit auf der Bühne kam und der Musik die charakteristische Ethnorock-Note hinzufügte. Laut den Informationen zählten die Musiker zu den Besten Armeniens, und wenn man ihnen beim Spielen zuhörte fiel es nur allzu leicht, das zu glauben. Mit Leidenschaft und Präzision zogen sie das Publikum in ihren Bann und bereiteten ihm eine außergewöhnliche Stunde.

SchauspielhausÜberraschend folgten anschließend EKLIPSE, die im vorab veröffentlichten Programm gar nicht mit angekündigt waren. Doch solche Überraschungen hörte man gern – auch wenn es eine ganze Weile dauerte, bis man die Band auch sah. Zum ersten Mal an diesem Tag war der schwere, rote Vorhang vorgezogen worden und verdeckte die Sicht auf das Geschehen auf der Bühne. Die Türen waren zwar zu, doch das Licht im Saal war nicht ausgeschaltet und auch sonst tat sich geraume Zeit herzlich wenig, was die Zuschauer zu dem ein oder anderen belustigten Kommentar veranlasste. Der Vorhang blieb auch weiterhin geschlossen, als die Band schließlich doch noch zu spielen begann, so dass amüsiert darüber spekuliert wurde, ob hinter dem Vorhang nicht einfach ein CD-Player stehen würde. Nach einem weiteren Lied wurde die Sichtbarriere dann doch noch entfernt – und alles andere wäre bei dem Anblick der sich daraufhin bot auch schade gewesen. Die Band hatte erst vor kurzem ihr Debutalbum “A night in Strings” veröffentlicht, auf dem sich rein instrumentale Coverstücke unter anderem von DEPECHE MODE, LINKIN PARK („In the End“) und COLDPLAY fanden. Diese trug das junge Quartett mit viel Fingerspitzengefühl vor – und das musizieren lag den Mädels eindeutig mehr als die Ansagen zwischen den Liedern. Die Musik kam gut bei den Zuschauern an und lud dazu ein, sich in den bequemen Sesseln zurückzulehnen und andächtig den Klängen der drei Violinen und dem Cello zu lauschen. „Vielleicht wollen sie mich allein spielen lassen“, vermutete eine der Vier, als sie nach den lautstarken Zugaberufen darauf wartete, dass ihre Mitmusikerinnen ebenfalls wieder auf die Bühne zurückkehrten. Mitten im Song verschwand sie dann jedoch selbst von der Bühne, das Spiel wurde einige Takte später abgebrochen - „Hoffe, das ist für euch in Ordnung“ - und daraufhin noch einmal gemeinsam neu begonnen.

SchauspielhausNach der Umbaupause folgte ein weiteres, geradezu zauberhaftes Konzert: ALICE NEVE FOX war das Projekt von Elena Fossi, der Frontfrau von KIRLIAN CAMERA und begeisterte mit anmutiger neoklassischer Musik, nachdem die fallenden Schneeflocken auf der Hintergrundpräsentation den Saal erst einmal zu einem kollektiven „awww“ veranlasst hatten. Besonders beeindruckend war dabei ein Cover von „Mad World“ von TEARS FOR FEARS, das mit der großartigen Stimme und dem weichen, italienischen Akzent eine beeindruckende Wirkung entfaltete. Teilweise wurde die Band von einem Gastmusiker unterstützt: Johannes Berthold von ILLUMINATE begleite einige der Stücke am Klavier und rundete das Programm dadurch merklich ab. Die Besucher waren dabei von der Musik so eingenommen, dass sie es lediglich mit einem Schmunzeln registrieren, als die Hintergrundpräsentation schließlich ausfiel und eine ganze Weile eine Fehlermeldung angezeigt wurde, bis jemand auf die Idee kam, dass man sie auch ganz ausschalten könnte.

Die Rolle des Abschlusskonzert des diesjährigen WGTs fiel IRFAN zu, doch wie schon am Abend zuvor ließ der Sound an dieser Stelle im Vergleich zu den vorigen Konzerten deutlich nach. Verwunderlich war dabei vor allem, warum inzwischen selbst im Schauspielhaus die Lautstärke häufig so enorm laut aufgedreht wurde, was den Spaß an der Musik deutlich schmälerte – immerhin konnte man sich draußen Ohrstöpsel holen. Die bulgarische Band spielte eher ruhige Lieder, die starken orientalischen Einfluss hatte und tief in der Volksmusik des Balkans verwurzelt waren. Zum Einsatz kamen dabei verschiedene Saiteninstrumente und Percussion, wobei sich der angenehme Klang der Rahmentrommel besonders hervorhob.

Fazit

Leipzig ist immer eine Reise wert – ganz besonders aber zu Pfingsten. Das vielfältige Programm des WAVE GOTIK TREFFENS ließ wieder einmal kaum einen Wunsch offen und bot neben deutschen Szenehighlights wie MONO INC, DIARY OF DREAMS und EISBRECHER auch viele unbekanntere ausländische Bands, die es zu entdecken lohnte. Genau diese Mischung machte das Musikprogramm so spannend, selbst wenn es jedes Mal aufs Neue schwer fiel sich zu entscheiden, welche Konzerte man sich ansehen sollte. Das weitgesteckte Rahmenprogramm machte die Auswahl kaum leichter und mehr als einmal hatte man das Gefühl, dass die Veranstaltung mindestens eine Woche gehen sollte, um auch für die verschiedenen Ausstellungen und Aktionen Platz in der eigenen Programmzusammenstellung zu finden. Aber auch während der vier Tage gab es jede Menge Zeit zu feiern und interessante Menschen kennenzulernen – und das ist ja immer noch einer der Kernaspekte, die das WGT auszeichnen. Alles in allem ein großartiges Wochenende – wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr!

Leipzig

 

 

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
Kolyma

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08.06.2012

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