ZITA-Rock Festival 2012 - Berlin, Zitadelle Spandau (15. - 16.06.2012)

Vor einer guten Woche versammelte sich die Berliner Düster-Szene wieder einmal zahlreich in den Festungsmauern der Spandauer Zitadelle, um das alljährliche ZITA-Rock Festival zu feiern. Obwohl diesmal zunächst als Ein-Tages-Event geplant, entschlossen sich die Organisatoren im April kurzfristig dazu, die Veranstaltung doch auf zwei Tage auszuweiten. Metal-District war für Euch an beiden Tagen live dabei.

 

ZITA-Rock 2012

 

Freitag - Lady Gaga und Starallüren...

LORD OF THE LOSTDer erste Teil der Überschrift erklärt sich durch den Festival Opener LORD OF THE LOST. Die Hamburger Gothrocker sorgten nicht nur mit eigenen Stücken wie „Son of the dawn“ oder „Sex on legs“ schon zu Beginn des Festivals für gehörig Stimmung, sondern stimmten mit der Coverversion von „Bad Romance“ auch einen der größten Hits der schrillen Pop-Ikone an. Da dann auch der wiederum eigene Titel „Dry the rain“ an diesem Abend funktionierte, und sich der leichte Nieselregen recht schnell verflüchtigte, kann man den Auftritt von LORD OF THE LOST als rundherum gelungen Auftakt bezeichnen.

OOMPH!

Die gute Laune war aber noch steigerungsfähig, wie man deutlich sehen konnte, als die altgedienten Recken von OOMPH! die Bühne betraten.Die Band, deren Hang zu nautischen Songtexten ja schon durch zahlreiche Songs auf verschiedenen Alben hinlänglich bekannt ist, lief dann auch komplett im Matrosenlook auf, komplett mit Seemannsdeko und Rettungsringen. Die Fans feierten den Auftritt der Braunschweiger von Anfang an begeistert ab. Egal ob Klassiker wie „Sandmann“, „Gott ist ein Popstar“ und natürlich „Augen auf“, oder Stücke vom brandneuen, erst im Mai veröffentlichten Longplayer „Des Wahnsinns fette Beute“ – vor der Bühne war Party angesagt. Schön, dass eine Band, die diese Musik bereits machte, als der Begriff Neue Deutsche Härte noch nicht einmal erfunden war, auch heute noch für solche Euphorie sorgt!

Was dann kam, war aus journalistischer Sicht allerdings alles andere als schön. Nach den ersten drei Liedern der amerikanischen Weltstars von EVANESCENCE wurden die den Fotograben verlassenden Fotografen von der Festival-Security informiert, dass sie aufgrund einer Anordnung des Managements der Band umgehend mit ihren Kameras das Konzert zu verlassen hätten. Zwar durften wir nach viel Diskussion und Warterei vor dem Eingang schließlich die Kameras in einem Container einschließen und wieder rein, da war jedoch bereits ein gutes Drittel des Konzerts vorbei. Ich halte fest: Akkreditierte Foto-Journalisten bei einem Festival, bei dem noch dazu Spiegelreflexkameras fürs Publikum ausdrücklich gestattet sind, des Geländes zu verweisen, halte ich für im höchsten Maße lächerlich! Über den Auftritt der „Superstars“ werde ich deshalb an dieser Stelle auch kein weiteres Wort verlieren. Dem Publikum schien es zu gefallen – uns nicht!

 

Samstag - Regen und ein geiler alter Sack...

Für die durch den Ausklang des vorangegangenen Abends nicht eben gute Laune war der Beginn des Sonntags dann nicht eben förderlich. Ganz im Gegensatz zum eher trockenen Bandnamen nämlich regnte es beim Auftaktkonzert der Gruppe STAUBKIND ununterbrochen. Alles wie gehabt, denn auch 2011 war der zweite Tag des ZITA-Rock ja ein eher feuchtes Vergnügen gewesen. So richtig schaffte es die Band dann auch nicht, die Massen zu Begeisterungsstürmen hinzureissen, obwohl die Jungs um Ex-TERMINAL CHOICE – Gitarrist Sven „Louis“ Manke einen durchaus soliden Auftritt hinlegten.

Eingedenk des letzten Festivals bildeten sich bei der nächsten Gruppe noch einige Sorgenfalten mehr auf der Stirn: „Be my rain“ heißt einer der größten Hits von ZERAPHINE, der seinem Namen im letzten Jahr auch alle Ehre gemacht hatte. Doch – oh Wunder – während des Auftritts von Sven Friedrich und Konsorten wurde das Wasser von oben diesmal tatsächlich immer weniger, so daß die Fans den Song beinahe im Trockenen genießen konnten.

MONO INC.Endgültig vorbei mit den Himmelstränen war es dann bei MONO INC., und nicht nur das Wetter besserte sich, auch die Stimmung stieg merklich an. Die Hanseaten zelebrierten ein Feuerwerk der guten Laune und heizten mit Schlagern wie „Gothic Queen“, „Viva Hades“ oder „Voices of doom“, aber auch mit neuen Stücken, wie etwa dem GARY MOORE – Cover „After the War“, das Publikum gehörig an und luden die Fans zum Mitsingen und Mitklatschen ein. Der letzte Satz könnte so jetzt zwar auch in einer Musikantenstadl-Reportage stehen, doch treffender kann man es wirklich kaum formulieren – und wer sagt denn auch, dass Grufties keine gute Laune haben dürfen? Natürlich dürfen sie das, und natürlich durfte auch die obligatorische Solo-Akustik-Einlage von Sänger Martin nicht fehlen. So wurde IGGY POPs „Passenger“ einmal mehr zum Test für die Sangeskünste der Berliner Festivalbesucher. Na aber ick denke, dit haben wir ganz gut hingekriegt. Ebenso obligatorisch ist natürlich auch das Video-Tagebuch der Band, und so bekam der einsame Mann mit der Gitarre am Ende des Songs auch Besuch von Schlagzeugerin Katha, die mit ihrer Digicam von der Bühne aus einige Aufnahmen für Folge 129 von MONO INC. – TV machte. (Wer mal reinkucken möchte kann dies hier tun.)

SALTATIO MORTISAls ob eine höhere Macht protestieren wollte – kaum hatten die Hamburger unter lauten Zugabe-Rufen der Menge die Bühne verlassen, begann es erneut zu regnen. Zur Freude aller währte der Zorn der Götter aber nur kurz, obwohl der nächste Act wohl spielend damit fertig geworden wäre. Der leider diesmal recht einsame Mittelalter- und Folk-Part wurde in diesem Jahr bestritten von SALTATIO MORTIS, und Alea und seine Mannen hatten die Menge von Anfang an im Griff. Das Hauptaugenmerk der Totentänzer lag ganz klar auf den Songs des aktuellen, von Kritik und Fans gefeierten Albums „Sturm aufs Paradies“. Songs wie „Ode an die Feindschaft“, „Nach Jahr und Tag“ und vor allem „Hochzeitstanz“, das von den Fans lauthals mitgeschmettert wurde, aber auch Klassiker wie „Koma“ und „Prometheus“ sorgten für gehörig Stimmung. Für mich ging die Show leider teilweise auf Kosten der musikalischen Qualität, was recht deutlich etwa bei „Eulenspiegel“ zu hören war. Animation und Mitsing-Spielchen sind in meinen Augen, beziehungsweise Ohren, keine Kompensation für schiefes Flötenspiel und Schwächen beim Gesang. Der Laune im Publikum tat es aber keinen Abbruch. Um einen ungenannten Festivalbesucher zu zitieren: „ Ich mag SaMo einfach, weil sie immer so gut Party machen!“ Und genau das war es schließlich auch, was die Zuschauer in der Spandauer Zitadelle geboten bekamen.

Die ausgelassene Feierlaune ließ leider im Anschluss dann merklich nach, aber die vorangegangene Dudelparty mit dem melancholischen Düsterrock der 69 EYES zu messen, wäre nun ja auch irgendwie die Gleichsetzung von Äpfeln und Birnen. Sänger Jyrki und seine Band zelebrierten ihre zahlreichen alten Hits wie „Gothic Girl“, Betty Blue“ oder „The Chair“ mit gewohnter nordischer Coolness, und nicht nur aus nostalgischen Gründen möchte ich den Auftritt der Skandiavier jetzt beileibe nicht schlecht reden. Ein wenig merkte man der Band jedoch trotzdem an, dass sie im Moment in der Hauptsache vom Ruhm vergangener Tage zehrt. Ein neues Album der Finnen soll im September erscheinen – man darf gespannt sein!

THE 69 EYES

Zum guten Schluss gab es dann, zumindest was die Stimmung anging, noch einmal ein wirkliches Highlight. ASP traten an, um dem diesjährigen ZITA-Rock die Krone aufzusetzen. Neben der unbestritten genialen Bühnenpräsenz von Alexander Frank Spreng war es auch die rein optische Wucht der Effekte, die im wahrsten Sinne des Wortes für ein angemessenes Abschlussfeuerwerk sorgte. Die Band hatte ja fairerweise bereits im Vorfeld angekündigt, während der ersten drei Songs keine Fotografen im Graben zuzulassen, und der Grund wurde auch recht schnell klar: Pyros („Wechselbalg“), CO2-Fontänen („Eisige Wirklichkeit“) und Schaumflocken („Und wir tanzten“) hätten uns wohl der Reihe nach geröstet, schockgefrostet und eingeseift. Musikalisch ging es in der kurzen Zeit durch beinahe alle Schaffensperioden der Band, von den neuen Stücken über die Klassiker „Kokon“ (2001), „Werben“ (2005), „Ich bin ein wahrer Satan“ (2007) bis zur flammenden Abschluß-Hymne „Ich will brennen“. Um erneut und abschließend mit den Worten des bereits zitierten und nach wie vor ungenannten Festivalbesuchers zu sprechen: „Also er ist ja mittlerweile schon ein alter, fetter Sack geworden... aber immernoch saugeil!“ – Besser kann man den Auftritt von ASP eigentlich nicht zusammenfassen.

ASP

 

Fazit - Alles beim Alten...

...so könnte man meinen. Wetter wie gehabt, na gut, vielleicht ein kleines bißchen trockener als letztes Mal. Auch die Besucherzahl war nach offiziellen Angaben mit etwa 7000 Gästen die Gleiche wie 2011. Keine große Veränderung gab es allerdings auch, was das musikalische Angebot angeht. Neben zwei Acts, die bereits beim letztjährigen Festival anwesend waren (ZERAPHINE, MONO INC.) waren nahezu alle der auftretenden Bands zumindest in den Vorjahren bereits ein oder mehrere Male beim ZITA-Rock zu Gast (ASP 2008+2010, OOMPH! 2009, 69 EYES 2007, STAUBKIND 2010, SALTATIO MORTIS 2010). Angesichts dieser über die Jahre doch recht eingeschränkten Bandauswahl könnte man jetzt ein wenig provokant formuliert fragen: Stagniert die Szene oder fehlt dem Veranstalter der Mut, auch mal was Neues zu bringen? Wenn man sich den Auftritt von MONO INC. so anschaut, so ist man beinahe geneigt der ersten Antwort zuzustimmen. Abgesehen von ein paar neuen Songs boten die Hamburger nämlich beinahe exakt die gleiche Show wie im letzten Jahr, gehörten, was die Stimmung angeht, damit aber zu den größten Abräumern des Festivals. Welchen Grund sollte also ein Veranstalter haben, Bands nicht immer wieder einzuladen, so lange die Leute sie sehen wollen? Und wenn ich ehrlich bin, mir persönlich sind bodenständige Hanseaten dann auch lieber als überkandidelde Weltstars...

Und natürlich gabs auch beim ZITA-Rock Fußball...

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
25.06.2012

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