TANZT! - München, Backstage Werk (30.11.2013)

Sympathische Piraten, rockende Trolle und kesse Miezen – beim siebten TANZT!-Festival in München war für die Besucher so einiges geboten und auf der Bühne waren sowohl einige alte Bekannte als auch neue Gesichter zu sehen. Obwohl am Abend des 30. Novembers allerlei szenerelevantes Programm in München geboten war, zog es über 1000 Besucher zum TANZT!-Festival – ein neuerlicher Höhepunkt in der Geschichte der Veranstaltung, die im vergangenen Jahr mit 600 Besuchern ausverkauft war und daraufhin von Halle und Club ins weit größere Backstage Werk umzog.

Auf den Mittelalter- und Gothikmarkt wurde in diesem Jahr verzichtet, dafür fanden in der Werkstatt Autogrammstunden der auftretenden Bands statt, bei den die Fans die Gelegenheit ergriffen, Unterschriften und Fotos mit ihren Lieblingsmusikern zu ergattern. Gelegenheit zum plaudern gab es auch abseits der offiziellen Termine: Die meisten Musiker waren den Abend über in der Menge unterwegs und jederzeit für ihre Fans ansprechbar. In der Werkstatt befand sich zusätzlich eine kleine Bühne, auf der die REAL MOTHERFOLKERS und FATZWERK auftraten. Beide Bands haben mit dem Job als Pausenunterhalter bereits Erfahrung. Die MOTHERFOLKERS traten bereits im vergangenen Jahr auf dem TANZT! auf und FATZWERK haben auf den fränkischen Burgfestivals bereits des öfteren die Marktmusik übernommen. Eigentlich bräuchte es diese zusätzliche Bühne jedoch nicht – Mit sieben Bands auf der Hauptbühne war auch so schon ein so volles Programm geboten, dass die Pausen nicht unbedingt musikalische Untermalung bräuchten.

VermaledeytUm vier Uhr eröffneten unerwarteterweise VERMALEDEYT das Festival. Aus technischen Gründen hatten sie die Position kurzfristig mit UN(D)SCHULDIG getauscht. Eine Entscheidung, die sich gerade für zweite Band als unglücklich herausstellen sollte. VERMALEDEYT sind Marktmusiker mit Leib und Seele, was man ihren Auftritten zu jeder Minute anmerkt. Die Musiker  aus Memmingen und Umgebung spielten vor allem Umsetzungen traditioneller Stücke wie „Le maitre de la maison“, „Totus Floreo“ und „Son ar sistre“, die besser gelangen als Eigenkompositionen wie das recht seichte „Feuer und Flamme“, mit dem die Band ihr Set beendete. Dafür, dass sie bereits am frühen Nachmittag auftrat, bekam sie ausgesprochen viel Rückmeldung vom Publikum, das bereits bestens zum Feiern aufgelegt zu sein schien. Musikalisch sind die Lieder von VERMALEDEYT nicht besonders außergewöhnlich, doch liefert die Band genau das, was man von ihr erwartet auf solidem Niveau, außerdem kann das Septett durch seine starke Ausstrahlung auf der Bühne punkten.
Vermaledeyt

UndschuldigUN(D)SCHULDIG taten sich äußerst schwer, an die Performance der ersten Band anzuknüpfen. Nicht umsonst waren sie selbst eigentlich für diesen Spot gebucht worden. Schon optisch machte die Band keinen bündigen Eindruck: Bei dem bunt zusammengewürfelten Bühnenoutfit konnte höchstens der äußerst knappe Rock der Dudelsackspielerin einen Moment von dem eigentlichen Auftrittsdebakel ablenken. Zwar gaben gerade der Basser und der Ziehharmonikaspieler ihr Bestes, um Leben auf die Bühne zu bringen, doch wirkte ihr Rumgehüpfe, wie auch der Rest der Show, in erster Linie unkoordiniert. Dabei sind die Musiker an und für sich weder in der Szene noch auf der Bühne wirkliche Neulinge. Dom hatte derzeit die Spielmannsgruppe von SALTATIO MORTIS mitbegründet und auch seine Gefährten haben schon auf der ein oder anderen Bühne Erfahrungen gesammelt. Ein Plus gibt es für die selbstgeschrieben Lieder. Fazit: Ob schuldig oder nicht, von diesem Auftritt hätte man sich im Vorfeld mehr erwartet!

DalriadaDanach kam die Metal-Fraktion erstmals an diesem Abend gänzlich auf ihre Kosten. Die Anfänge von DALRIADA liegen schon gut 15 Jahre zurück, inzwischen können die Ungarn auf sieben Studioalben zurückblicken. Die Band fand mit ihrem Folkmetal, bei dem Barnabás Ungár am Keyboard recht dominant war, bei den Zuschauern wieder deutlich mehr Zuspruch als UN(D)SCHULDIG. Nicht umsonst werden die Musiker in ihrer Heimat schon seit geraumer Zeit als Stars gefeiert. Vor zwei Jahren waren die Folkmetaller verstärkt von zusätzlichen Folkmusikern der FAJKUSZ BAND schon einmal auf dem TANZT! zu Gast, damals sogar als Headliner der Veranstaltung. Waren 2011 durch die später Uhrzeit nur noch wenige Besucher vor der Bühne, so spielten sie dieses Mal vor vollem Haus. Aber nicht alles hatte sich geändert, das Markanteste war gleich geblieben. Mit Laura Binder haben DALRIADA eine wahre Powerfrau am Gesang, die auf der Bühne vollen Einsatz zeigte. Sie und ihr männlicher Konterpart András Fizcek sangen stets in der Muttersprache, durch die in Deutsch gehaltenen Ansagen wurde den Zuhörern der Zugang zur Musik aber erleichtert. Im Gegenzug sorgten die Besucher mit ihrem warmen Willkommen dafür, dass sich die Band sogleich auf der Bühne wohlfühlte und sich im besten Licht zeigen konnte. Auf der linken Seite wurde im Publikum sogar eine Ungarnflagge gehisst.

Vogelfrey
JannikVOGELFREY waren aus dem hohen Norden nach München gekommen und luden beim „Ball der Gehängten“ zum Tanz ein. Zeit für harten Mittelalterrock! Die „6 Vaganten“ lieferten die beste Show des Tages. Gerade Sänger Jannik beeindruckte mit sehr lebendiger Mimik und Gestik und der bildhaften Darstellung der Lieder. Cello und Geige sorgten für ein wunderbares Gegengewicht zur Härte von Gitarre und Schlagzeug. Die Songs gestalteten sich durchweg eingängig, unterhaltsam, wovon man sich auf dem aktuellen Album „12 Schritte zum Strick“ selbst ein Bild machen kann. Das begeisterte Publikum trat dem Pakt der Geächteten jedenfalls nur zu gerne bei und nachdem die Anwesenden sich davon überzeugt hatte, dass an allem ohnehin nur der Met schuld sei, endete mit einem „Tusch!“ der reguläre Teil der energischen Darbietung. Ohne eine Zugabe wollten die Zuschauer die Band aber nicht von der Bühne lassen, also gab es noch zwei Stücke  als Nachschlag. Nachdem „Feenfleisch“ gerade nicht verfügbar war musste eben eine Barbiepuppe dran glauben und wurde von Jannik kurzerhand einen Kopf kürzer gemacht. Kunstblut inklusive.

Leiser wurde es auch mit TROLL BENDS FIR, der fünften Band des Abends, nicht. Die russische Band gehörte bereits zu den alten HasenTroll Bends Fir - sie begeisterte auch im vergangenen Jahr die Zuschauer und wurde daher gern zum zweiten Mal in München willkommen geheißen. Ganz so stark wie im Vorjahr war der Auftritt, bei dem brachiale Gitarren mit Geige und Flöte kombiniert wurden, allerdings nicht. Etliche Fans und Kenner der Band fanden sich trotzdem im Publikum, es wurden des öfteren Lieder gewünscht und die Show teilweise sogar auf Russisch kommentiert. Einsatz zeigen die St. Petersburger ohne Zweifel. Auftreten in Jutefetzen fällt jedenfalls definitiv in die Rubrik „Leiden für die Kunst“ – wer schon einmal unliebsame Bekanntschaft mit dem Material gemacht hat wird da vermutlich zustimmen. Mit ihrem launigen Humppa-Metal animierte die Band die Besucher zum Pogo im Zuschauerraum und ließ die 50 Minuten Spielzeit wie im Fluge vergehen.

Nach den härteren Klängen stand für den Rest des Abends fröhliche Partymusik auf dem Programm. Für VROUDENSPIL, die traditionsgemäß auf jedem TANZT! mit dabei sind, war der Abend ein echtes Heimspiel, das als nachträgliches AbschiedskonzertVroudenspil für Jane genutzt wurde. Die Bassistin war bereits im August offiziell aus der Band ausgestiegen, kehrte nun aber ein letztes Mal auf die Bühne zurück. Sie und der Rest der Band wurden vom Publikum ausgiebig gefeiert – erst Recht, als sie Getränke mit dem Publikum teilten, obwohl ja allgemein bekannt ist, dass die Freibeuter den größten Teil des Rums in der Not lieber selber haben wollen. Die sichtlich gut gelaunte „Meute toter Narren“ tanzte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, den schwungvollen „Plankentango“, Freibeuter Petz schwang die Flagge mit Bandlogo und die Zuschauer feierten vor der Bühne ausgelassen mit. Gedanklich die Segel setzen, sich auf große Kaperfahrt begeben und alle Lasten des Alltags einfach hinter sich lassen fiel zusammen mit VROUDENSPIL ganz leicht. So machen Konzerte immer wieder Spaß!

FEUERSCHWANZ waren ebenfalls nicht zum ersten Mal auf der Veranstaltung zu Gast. Schon 2008, als das TANZT! Feuerschwanznoch im beschaulichen Kufstein stattfand, headlineten sie die Veranstaltung zum ersten Mal. Seither ist nicht nur das Festival außerordentlich gewachsen, auch innerhalb der Band hat sich einiges getan und mit ihrem letzten Album „Walhalligalli“ feierten sie ihre bisher größten Erfolge. Einige wenige Konzerte Ende diesen Jahres standen unter dem Motto „Der Tod feiert mit“, darunter auch das TANZT!. Gevatter Tod in seinem schwarzen Gewand, die Sense fest in der Hand, unterstützte dabei die Mieze beim anheizen des Publikums - das Tanzen überließ er vorsichtshalber ganz ihr. Dem ein oder anderen männlichen Fan wären wohl zwei der Miezen, die immer wieder ein Blickfang sind, lieber gewesen, doch war der Tod eine schaurig-schöne Abwechslung zu den üblichen Shows.  
Gemeinsam bekundeten Band und Fans ihre Liebe zum Dudelsack und in ihrem Lied „Johanna“, bei dem der Prinz sie wortwörtlich auf Händen trug, teilte die Geigerin das Publikum mit ihrem Geigenbogen in zwei Hälften, die anschließend gegeneinander anschreien und singen durften. Während man gerade bei der ein oder anderen Band das Gefühl hat, dass sie ebenso gut vor einem leeren Saal spielen könnten, ohne dass sich irgendetwas ändern würde, sind die Zuschauer ein integraler Bestandteil der Show von Feuerschwanz und werden immer wieder ins Geschehen mit einbezogen. FeuerschwanzBei „Wunsch ist Wunsch“ wurde beispielsweise eine äußerst begeisterungsfähige Fee aus dem Publikum geholt, die standesgemäß mit rosa Flügelchen ausstaffiert wurde und sich anschließend in der Choreographie mit Hauptmann Feuerschwanz und dem Prinzen austoben durfte. Mit der Metmaschine wurde das Publikum vor dem drohenden „Metnotstand“ bewahrt, gegen den auf der Bühne mit Schildern protestiert wurde – und die ersten Reihen bewiesen sich dabei als wahre „Metvernichter“. Wie schon fast den ganzen Abend war das Licht leider so miserabel, dass man die Show nur bedingt sehen und damit genießen konnte. Immerhin die angestrahlten Diskokugeln mit ihren goldenen Zapfhähnen kamen gut zur Geltung – vor allem weil an dieser Stelle Dunkelheit und Nebel auf der restlichen Bühne durchaus sinnvoll waren. Eine „Spielmannsträne“ brauchte man deshalb aber kaum zu verdrücken, da sich niemand die Laune verderben ließ. Lieber feierte man gemeinsam ein „Niemals endendes Gelage“, das noch lange nach Ende der Show anhielt, da bis in die frühen Morgenstunden in allen Areas des Backstage noch die „Freak Out Party“ stattfand, die für alle TANZT!-Besucher frei zugänglich war.

Insgesamt war das siebte TANZT!-Festival abermals ein voller Erfolg. Da sollte man sich Samstag, den 15.11.2014 schon einmal fett in den Terminkalender fürs nächste Jahr eintragen, da wird die Veranstaltung nämlich in die achte Runde gehen. Drei der Bands stehen bereits fest: Die Frankfurter von NACHTGESCHREI werden zum zweiten Mal auf dem TANZT! mit dabei sein, natürlich wird VROUDENSPIL abermals auftreten und als Headliner darf die LETZTE INSTANZ in München begrüßt werden. Bis Ende des Jahres gibt es bei Backstage Tickets und München Ticket noch Early Bird Tickets für gerade einmal 15 Euro.

Bookmark:

Bookmarke bei: Mr. Wong Bookmarke bei: Webnews Bookmarke bei: Icio Bookmarke bei: Oneview Bookmarke bei: Yigg Bookmarke bei: Linkarena Bookmarke bei: Digg Bookmarke bei: Del.icoi.us Bookmarke bei: Reddit Bookmarke bei: Simpy Bookmarke bei: StumbleUpon Bookmarke bei: Slashdot Bookmarke bei: Furl Bookmarke bei: Yahoo Bookmarke bei: Blogmarks Bookmarke bei: Diigo Bookmarke bei: Technorati Bookmarke bei: Newsvine Bookmarke bei: Ma.Gnolia Bookmarke bei: Smarking Bookmarke bei: Netvouz Bookmarke bei: Folkd Bookmarke bei: Spurl Bookmarke bei: Google Bookmarke bei: Blinklist Information

Zu diesem Livebericht:

Autor:
Kolyma

Weiteres:

Hier geht's zu den Fotos

Druckversion

RSS-Feed

Gelesen:
3302 x

Artikel eingestellt:
11.12.2013

Lesenswertes

Lost Moon - Tales from the sun spacer The Flying Eyes - Leave it alle behind Sessions spacer BLACK MOTH - Condemned to Hope spacer METAL DISTRICT TV

Anzeige

Anzeige

Current users online: 110 | Metal District at MySpace | RSS-Feed | Mobile | Haftungsausschluss | Copyright © 1999-2017 metal-district.de - Alle Rechte vorbehalten